CD-Review: Kel Amrûn – Sól

Kel Amrun

[Medieval] – Narrenschiff (2014)
Schweiz
Sonnentanz!

Der helvetische Sommer präsentierte sich heuer mehrheitlich kühl, feucht und unwirtlich. Dem wirkten die Emmentaler Kel Amrûn im Spätsommer entgegen und brachten mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums die Sonne („Sól“) zurück in die Schweiz.

Drei Jahre sind seit dem Debüt „Wid Danu“ verstrichen. Eine Zeitspanne, in welcher sich die Bandzusammensetzung mehrmals änderte. So verliess beispielsweise Dudelsackvirtuose und Gründungsmitglied Thom Freiburghaus das Quintett 2012, um seine eigenen musikalischen Visionen zu verwirklichen. Der Qualität des Zweitwerks tut dieser Umstand jedoch keinen Abbruch. War bereits auf dem Erstling eine Vielzahl verschiedenster Instrumente zu vernehmen, so vermögen die neuen Mitstreiter z. B. mit der Harfe dem Sound Kel Amrûns anno 2014 gar noch eine weitere Note hinzuzufügen. Darüber hinaus konnten für die Auf-nahmen zahlreiche Gastmusiker wie Fiona Rüggeberg (Dudelsack) von Faun oder Fredy Schnyder (u. a. Hackbrett) von Nucleus Torn gewonnen werden. Auch oben erwähnter Thom Freiburghaus kehrte für ein Gastspiel zurück und veredelte mit seinen Uilleann Pipes den Auf-taktsong ‚Ar em al‘.

Dem Konzept der ersten Scheibe blieben die Berner treu und präsentieren auf „Sól“ eine bunte Mischung aus Eigenkompositionen und Traditionals aus aller Herren Länder. Auffallend dabei ist die Tatsache, dass deutlich häufiger in Schweizerdeutsch gesungen wird, als noch auf dem Vorgänger. Leider fallen aber gerade diese Lieder im Vergleich zu den übrigen Tracks qualitativ etwas ab, da die Texte stellenweise (noch) ein bisschen unbeholfen wirken. Bei der Auswahl der Traditionals bewies das Quintett hingegen wiederum ein gutes Händ-chen, da die dargebotenen Melodien nicht bereits von zahlreichen anderen Mittelaltercombos ebenfalls schon interpretiert wurden.

Bei den insgesamt elf Tracks erklingen mehrheitlich ruhige, verträumte Töne wobei es Kel Amrûn jederzeit gelingt, durch den Einsatz zahlreicher Percussioninstrumente ihrem Schaffen einen exotischen Touch zu verleihen. Die schnelleren Songs wie ‚Quena Fésta’‚ ‚Bela Calha‘ und ‚Slejpnir‘ fordern aber durchaus auch zum Tanze auf. Völlig zu Recht bezeichnet die Band selbst ihren Stil als Mystic Medieval Gypsy Folk. Wer also auf Hau-drauf Dudelsack Punk der Marke Corvus Corax oder ähnlichen Vertretern steht, wird hier enttäuscht von dan-nen ziehen. Wer aber auf eine abwechslungsreiche, mystisch-musikalische Reise mitge-nommen werden möchte, der soll sich „Sól“ unbedingt anschaffen!

Hörbeispiele zu Kel Amrûn finden Sie unter folgendem Link: http://soundcloud.com/kel-amrun-1/

geschrieben am 26.09.2014 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Kel Amrûn
Narrenschiff

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