CD-Review: Rauhnacht – Urzeitgeist

rauhnacht_urzeitgeist

[Alpine Black Metal] – Hammerheart Records (2014)
Österreich
Düster es tönt aus den Alpen!

„Urzeitgeist“, welches im März diesen Jahres den Weg in die Plattenläden fand, ist nach „Vorweltschweigen“ das zweite Album von Steffan Traunmüllers One-Man-Band Projekt Rauhnacht. Dem einen oder anderen Black Metal Fan ist Traunmüller sicher bereits von Bands wie Golden Dawn oder Wallachia ein Begriff.

Angekündigt wurde das Album wie folgt: „Urzeitgeist simply is perfect in all parts, be its music, songs, production or artwork.“ Entsprechend hoch sind dann natürlich die Erwartungen an die Platte. Mit dem Song „Einsam Ist’s Durch’s Moor Zu Geh’n“ beginnt das Album dann auch ziemlich vielversprechend. Ein monoton-düsteres Gitarrenriff und eine sich wiederholende, langsame, glockenartige Keyboard Klangfolge untermalen den Sprechgesang und mischen sich mit den Drums zu einem bedrohlich anmutenden Gesamtbild. Ein nach 4 Minuten eingebautes Break mit Rhythmus- und Melodiewechsel sorgt für Abwechslung im mit 6 1/2 Minuten Länge doch schon sehr langen Einstiegsstück. Der folgende Titeltrack „Urzeitgeist“ knüpft stilistisch schön an den Vorgänger an. Gitarre und Gesang sind hier jedoch dominanter als zuvor.

Darauf folgt mit „Rauhnachtskind“ ein zehnminütiges Stück, welches leider zu lang geraten ist. Mein Gehirn schaltet nämlich jeweils noch vor der Hälfte automatisch auf Standby und irgendwann merke ich dann, dass ich gar nicht mehr aktiv hinhöre. Es fehlen die Wow-Momente, die den Hörer gefangen halten und zum hinhören und mitdenken zwingen. Der durchaus gelungene und unterhaltsame Beginn des Songs „Der Weg zurück“ lenkt meine Aufmerksamkeit jeweils wieder auf die Musik. Leider ist aber auch dieser Song mit 09:43 Minuten um einiges zu lang geraten und erneut schweifen die Gedanken weg vom Geschehen. Die darauf folgenden 4 Songs sind alle zwischen 06:04 und 09:34 lang und bergen keine grossen Überraschungen mehr.

Es stellt sich nun die Frage, ob die hohen Erwartungen erfüllt wurden. Musikalisch kann man nicht viel bemängeln, wobei jedoch auch keine allzu anspruchsvollen Parts vorhanden sind. Was mich hingegen etwas stört, ist die Drummachine, die alles zu steril, monoton und perfekt wirken lässt. Auch der Gesang ist mir manchmal etwas zu klar und zu gut verständlich. Er dürfte für meinen Geschmack eher etwas düsterer und rauer sein. An der Produktion der Platte an sich gibt es überhaupt nichts zu beanstanden.

Das Genre wird als Alpine Black Metal bezeichnet. Für mich passt dieser Begriff nicht zu den Songs. Berge haben für mich etwas Erhabenes, Weites und Befreiendes. Rauhnachts Songs jedoch sind düster, beklemmend und passen für mich besser zu Mordor als zu den Alpen. Dies bedeutet nicht, dass die Songs schlecht sind, bloss die Genre Bezeichnung passt für mich nicht so ganz. Alles in allem eine solide und gut produzierte Platte, die aber leider keine allzu grossen Überraschungen birgt. Diese ist übrigens auch bei Google Play und Spotify verfügbar.

Hörbeispiele zu Rauhnacht finden Sie unter folgendem Link: http://m.youtube.com/watch?v=85TXKycSCSk

geschrieben am 1.10.2014 von nicole@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 8 von 15
Informationen: Rauhnacht
Hammerheart Records

Eine Antwort zu “CD-Review: Rauhnacht – Urzeitgeist

  1. Kenn nur die Split mit STURMPERCHT von denen. Fand die eigentlich ganz gut, weil gut mit Folk durchsetzt.
    Und mit Genrebezeichnungen im Black Metal…. naja, da geb ich seit Jahren nichts drauf, weil Black Metaller statt „Gitarre“ lieber „Saw“ oder „Roar“ statt „Gesang“ (von mir auch „Geschrei/Screams“) ins Booklett schreiben. Und das ist nicht Grim oder Evil (so wie es wohl beabsichtigt ist), sondern eher peinlich.
    Aber wenn die Platte was kann, werde ich mal ein Ohr riskieren.

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