CD-Review: Woodscream – Octastorium

Woodscream

[Folk Metal] – Eigenproduktion (2014)
Russland
Female Fronted Folk Metal!

Dass Väterchen Russland, zumindest an der Folk Metal Front, immer wieder für positive Meldungen sorgt, ist längst kein Insider-Tipp mehr. Der skandinavische Markt bringt zurzeit, abgesehen von den üblichen Verdächtigen, nicht sehr viel Neues hervor. Dafür spielen sich Länder aus dem Osten wie Russland, die Ukraine oder die Tschechische Republik je länger je mehr auf den hiesigen Markt.

Eine dieser Bands ist Woodscream aus Sankt Petersburg, deren erste EP „Pentadrama“ von uns im Jahre 2011 unter dem Prädikat „vielversprechend“ vorgestellt wurde. Der Folk Metal Fan denkt beim Stichwort „Female Fronted Folk Metal made in Russia“ wohl in erster Linie an Arkona. Mit Woodscream ist nun aber eine weitere Band aus dieser Sparte auf dem Vormarsch.

„Octastorium“ beginnt mit dem Song ‚Алан (Alan)‘, der von einem schönen Violinen-Solo eingeleitet wird und in welches später das Schlagzeug mit einstimmt. Valentina Tsyganovas eher tiefe, etwas rauchige Gesangsstimme, die auch immer wieder die höheren Töne sucht, rundet den Song schön ab.

Weiter geht es mit ‚Топь (Slough)‘, einem etwas schnelleren Song, in dem sich auch erstmals die Growls von Bassist Ivan Budkin mit dem Gesang von Valentina mischen. Alles in allem ein sehr gelungener Song, doch leider wirken die Growls etwas verzerrt. Da fehlt mir der Druck und es klingt, als ob hier zusätzlich noch etwas mit der Technik nachgeholfen wurde. Dieser Eindruck zieht sich über alle Songs, in denen gegrowlt wird.

Der hauptsächlich instrumental gehaltene Song ‚An Dro‘ wird wohl den meisten Genre-Fans ein Déjà-vu bescheren. Haben doch die helvetischen Genre-Überflieger Eluveitie diesen Song, der übrigens nach einem bretonischen Tanzstil benannt ist und noch von diversen weiteren Bands gespielt wird, auf ihrem Debütalbum „Spirit“ bereits in einer etwas anderen Version eingespielt.

Die acht Songs von „Octastorium“ reihen sich harmonisch aneinander und sind abwechslungsreich gestaltet, so dass über die gesamte Dauer der Platte nie Langeweile aufkommt. Auch nach mehrmaligem Anhören gibt es immer wieder etwas zu entdecken.

Die Highlights sind die Songs ‚Коваль (Blacksmith)‘ und ‚Witnesses of J‘. Woodscreams Musik wird von Valentinas Gesang, der Violine und der Flöte geprägt. Die Gitarre wird hauptsächlich als Rhythmus-Instrument eingesetzt oder um zusätzlich Druck zu erzeugen. Der Folk-Einfluss mit Geige und Flöte kommt aus dem keltischen Bereich. Doch durch Valentina Tsyganovas Gesang kommt auch der osteuropäische Einfluss nicht zu kurz und dies nicht nur wegen der Sprache, sondern aufgrund der Gesangsart und der Klangfarbe.

„Octastorium“ ist gut produziert, insbesondere Flöte, Violine und Frauengesang sind sehr klar und schön abgemischt. Der Schwachpunkt für mich sind – wie bereits erwähnt – die Growls sowie der Bass und die Bass-Drum, welche vor allem in den etwas härteren Stücken mit demselben Problem zu kämpfen haben. Dies führt dann auch zu etwas Abzug in der Gesamtbeurteilung. Was mir jedoch sehr gut gefällt, ist, dass die Scheibe gänzlich ohne Synthies und andere ‚künstliche‘ Instrumente auskommt.

Woodscream hat in den letzten Jahren bereits einige Bühnenerfahrung gesammelt und auch schon mit Bands wie Korpiklaani, Suidakra oder Arkona die Bühne an Festivals geteilt. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis wir sie auch hiesigen Hallen begrüssen dürfen.

Fans des klassischen Folk Metals sollten sich Woodscream definitiv mal anhören. Sie werden nicht enttäuscht werden.

Hörbeispiele zu Woodscream finden Sie unter folgendem Link: http://soundcloud.com/woodscream

geschrieben am 21.12.2014 von nicole@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Woodscream
Eigenproduktion

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