CD-Review: Obscurity – Vintar

Obscurity_Vintar

[Viking Metal] – Trollzorn (2014)
Deutschland
Die Bergischen Löwen brüllen wieder!

Zwei Jahre nach dem grandiosen 15-Jahre Jubiläumsalbum „Obscurity“ veröffentlichten die „Bergischen Löwen“ am 28.11.2014 ihre heissersehnte neue Platte „Vintar“.

Thematisch bedient sich „Vintar“ (Mix aus skandinavisch „Vinter“ / altdeutsch „Wintar“) wie bereits der Vorgänger bei der nordischen Mythologie und erzählt die fiktive Geschichte rund um den Kontinent Wodanheim nach dem Ragnarök. Wodanheim liegt an Stelle des heutigen Europas, dessen Mittelpunkt – oh Wunder – das heutige Bergische Land darstellt. Dessen Volk, die Tenkterer kämpfen gegen die Feinde, welche das Ragnarök überlebt haben, für einen Neuaufbau ihrer Welt.

„Ich sah Welten brennen, sah der Götter Schand, doch niemals untergehen wird unser Bergisch Land!“

Mit diesen Worten beginnt die Geschichte und der Song ‚Schicksal der Götter‘, welcher sich dem Ragnarök und dem Untergang der „alten“ Welt widmet. Im Song ‚Naglfar‘ werden die gefallenen Krieger, nachdem das Ende der Welt besiegelt ist, auf ihrer letzten Fahrt begleitet.

Bereits nach diesen zwei Songs wird klar, Obscurity bleiben sich auch auf der neuen Platte treu. Die Musik ist geprägt von eingängigen Gitarrenriffs, harten Drums und lebt von Agalaz sehr vielseitig eingesetzter Stimme, die alle Bereiche abdeckt, die es im Metal abzudecken gibt. Genremässig bewegen sich Obscurity in den Bereichen Black, Death, Pagan und Viking Metal wobei die Übergänge sehr fliessend sind.

Mit dem eher düsteren, schon fast im Black Metal anzusiedelnden Song ‚Nebelwelt‘ beginnt nun die eigentliche Geschichte um den Kontinenten Wodanheim. Weiter geht es mit dem Song ‚Wodanheim‘, in dem der neue Kontinent vorgestellt wird. Auch hier bewegt man sich zu Beginn eher im Bereich des Black Metals und gegen Ende des Songs auch in dem des Viking Metals.

Das Stück ‚Alter Feind‘ beginnt mit einem auflockernden Drumsolo ist ansonsten jedoch auch eher im Black Metal Stil gehalten. Es kann inhaltlich durchaus als kritisches Stück gegen die Christianisierung in früherer aber auch in heutiger Zeit gewertet werden. ‚Vintar‘, der Titeltrack der Platte, wiederspiegelt die gedankliche Kampfansage eines jungen Kriegers und ist wieder ein eher düster gehaltenes Stück.

Darauf folgt mit ‚Dominium‘ ein lebhaftes und eingängiges Stück voller Kampfeswille und Leidenschaft. Die Songs ‚Alte Zeichen‘ und ‚Sieg oder Niedergang‘ gehen den mit ‚Dominium‘ angefangenen musikalischen Weg nahtlos weiter. Mit treibenden Gitarrenriffs, harten Drums, Off-Beat-Einlagen und den drückenden Vocals, die auch Johan Hegg nicht besser hinkriegen würde, für mich die besten Songs des Albums.

Der vorletzte Song ‚Feld der Ehre‘ begleitet Wodanheims Streitmacht in die letzte Schlacht und verlässt das Viking Genre nochmals etwas in Richtung Black Metal, um dann in den letzten Song ‚Legiones Montium‘ überzuleiten. Dieser beginnt mit einem langsamen Gitarren-Intro erstmal sentimental, um danach mit kämpferischen Lyrics, Gitarren und Drums den Opfern der Schlachten zu gedenken und zum fortwährenden Kampf für die Freiheit aufzurufen. Und so endet die Geschichte um Wodanheim mit einem letzten Höhepunkt und den Worten:

„Ich sah Welten brennen, sah der Götter Schand, doch niemals untergehen wird unser Bergisch Land!“

„Vintar“ ist ein eingängiges und abwechslungsreiches Album, welches von Anfang bis Ende zu überzeugen mag. Sich selbst und dem Genre treu zu bleiben und dabei gleichzeitig noch innovativ sein, ist fast nicht möglich. Umso wichtiger bleibt somit das Gesamtkonzept eines Albums. Hier haben Obscurity grossartige Arbeit geleistet.

Einerseits wurde die Scheibe hervorragend abgemischt und produziert. Gitarren, Bass und Drums sind perfekt aufeinander abgestimmt und jederzeit auseinanderzuhalten. Die Vocals wurden genau richtig aufgenommen, um neben den Instrumenten nicht in den Hintergrund zu rücken oder zu aufdringlich zu sein. Da es sich um ein Konzeptalbum mit einer Geschichte handelt, gefällt mir hier auch gut, dass die Lyrics jederzeit verständlich sind und dennoch nicht zu weich klingen. Andererseits erhält die Platte durch die erzählte Geschichte eine Seele und ist nicht eine blosse Aneinanderreihung von Songs. Dazu gehört natürlich auch das stimmige von Jan Yrlund (u.a. Manowar, Tyr) erstellte CD-Cover, welches das Gesamtbild schön abrundet.

Den Platz in den Folkmetal.at „Album Top Ten 2014“ haben sich Obscurity mit „Vintar“ mehr als verdient. Im Vergleich zum bereits sehr guten Vorgänger „Obscurity“ ist „Vintar“ eher etwas Black-Metal-lastiger und wirkt für mich im Gesamteindruck nochmals eine Spur ausgereifter als vor zwei Jahren.

Obscurity werden dieses Jahr im Rahmen der „Pagan Fest Tour 2015“ in den hiesigen Konzerthallen unterwegs sein und haben dann sicherlich auch den einen oder anderen Song von „Vintar“ mit im Gepäck. Hingehen ist Pflicht!

Hörbeispiele zu Obscurity finden Sie unter folgendem Link: http://www.youtube.com/channel/UCNNV2voZUlVr-nw3EgOvhNQ

geschrieben am 02.01.2015 von nicole@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Obscurity
Trollzorn

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