CD-Review: Bonjour Tristesse – Par un sourire (Re-Release)

bonjout trieste

[Depressive Black Metal] – MDD Records (2015)
Deutschland
„…keiner versteht mich, weil ich das Nichts bin…“!

Das Genre „Red Anarchist Black Metal“ bekommt man beileibe nicht jeden Tag auf die Ohren, zumal die facebook-Umschreibung „Anarchism, Anti-fascism, Environmentalism, Anti-Sexism, Straight Edge, Veganism“ den üblichen Klischees des Black Metal nicht so wirklich entspricht. Liest man dann auch noch das Promosheet und erfährt etwas von gesellschaftskritischen Themen, dann wandert das „lidlose Auge Barad-Dûrs“ gewissermaßen schon unweigerlich in Richtung Südbayern, aus deren Gefilden Bonjour Tristesse stammt.

Ganz so taufrisch, wie man zunächst vermuten würde, ist das Album des Alleinkämpfers Nathanael (daneben bei Heretoir und Thränenkind, Ex-Agrypnie) allerdings nicht. Vielmehr haben wir es hier mit einem Re-Release zu tun. Die ursprüngliche Scheibe aus dem Jahr 2011 wurde jedoch neu gemischt und gemastert, zudem in Teilen abgeändert.

Klassischen Black Metal spielen Bonjour Tristesse nicht, eher eine getragene, melodischere Variante hiervon. Eine Ausprägung, die aber durchaus gefällt und mit ihrem unprätentiösen Riffing eine sehr dichte und zugleich düster-betörend, ja fast schon betäubende Atmosphäre schafft. Dass das Album in Sachen Technik und Melodielinie dabei weniger abwechslungsreich ist, gar eine gewisse Gleichförmigkeit mit sich bringt, ist der Stilrichtung geschuldet – was man mag oder nicht.

Diverse narrative Elemente in unterschiedlichen Sprachen, welche als Bindeglieder zwischen einzelne Tracks gestellt werden, untermalen – rein melodisch betrachtet – den depressiven Charakter der Scheibe gut und schaffen zusätzliche Emotionen. Inhaltlich, muss man ehrlicherweise sagen, hätten sie subtiler ausfallen dürfen. Sie hätten dann mehr Spannung erzeugt und – vorsichtig ausgedrückt – „reifer“ geklungen. Soweit hätten wir ein wirklich gelungenes Gesamtkunstwerk, wenn da nicht der „Gesang“ wäre.

Nun kann man gegen das genretypische Gekreische erst einmal nichts einwenden. Wenn es aber durchweg bei einem gleichförmigen Gekreische bleibt, einem (wohl) textlosen Gekreische zudem und über die gesamte Länge des Albums hinweg, dann ist das schon ein wenig zu viel bzw. zu wenig. Was beim ersten Hören noch gar nicht so auffällt, wird mit jedem erneuten Abspielen zunehmend störend. So zieht der Gesang das Gesamtwerk leider und unnötig nach unten. Gerade gemessen an den eigenen, hohen inhaltlichen Ansprüchen ist das doch reichlich wenig, um nicht zu sagen ernüchternd.

Hätte man bei der Überarbeitung von „Par un sourire“ hier angesetzt, wäre vermutlich ein kleines Juwel herausgekommen. So aber besteht die Gefahr, dass mancher Hörer die Scheibe recht schnell wieder beiseite legt. Schade drum, macht der Rest doch wirklich Spaß.

Hörbeispiele zu Bonjour Tristesse finden Sie unter folgendem Link: http://bonjourtristesse.bandcamp.com/releases
geschrieben am 26.4.2015 von karsten@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Bonjour Tristesse
MDD Records

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