Interview – Cruadalach (Deutsche Version)

Cruadalach 3

Vor fünf Jahren, im August 2010, rezensierte Folkmetal.at ein Werk der bis dato noch ziemlich unbekannten Band Cruadalach. Das Demo „V rytmu staré krve“ stellte dabei den allerersten Output der Tschechen dar. Seither durften wir sämtliche Releases dieses ungewöhnlichen Folk Metal Clans besprechen. Ein Interview fand jedoch bislang noch keines statt. Höchste Zeit, dies zu ändern! Jan Vrobel, Sänger der Band, stellte sich unseren Fragen: Folkmetal.at: Servus, bitte stell Cruadalach unseren Lesern vor!

Jan Vrobel: Cheers! Cruadalach ist ein in Prag beheimateter Clan, der aus acht Mitgliedern besteht. Wir vermischen Metal & Hardcore Punk mit akustischen Instrumenten. Viele Leute meinen, dass wir traditionelle Folk Musik spielen. Das ist jedoch Schwachsinn. Nur weil du Violinen und Dudelsäcke einsetzt, bedeutet dies noch lange nicht, dass du Traditionals spielst. Unser aktuelles Album „Rebel Against Me“ wurde in diesem Jahr durch MetalGate Records veröffentlicht. Es ist ein einmaliges Stück Musik, vollgepackt mit sozialen Kommentaren und Statements, die mitten ins Gesicht zielen. Hört es euch an, wir haben enorm viel Schweiss und Herzblut in dieses Album gesteckt. Es ist ehrlich, authentisch und wir sind verdammt stolz darauf!

Folkmetal.at: „Rebel against me“ wurde im Januar veröffentlicht – über drei Jahre nach eurem Debüt „Lead – not follow“. Weshalb die grosse Lücke zwischen den beiden Releases? Und in welchem Zusammenhang steht der Konkurs eures ehemaligen Labels Black Bards Entertainment dazu?

Jan Vrobel: Es besteht überhaupt kein Zusammenhang. Die Bedingungen, welche wir an unsere Veröffentlichungen gestellt haben, passten noch nie mit jenen der Labels überein. „Rebel Against Me“ erschien via MetalGate Records, wo wir sehr zuvorkommend behandelt werden. Wir kennen die Leute von MetalGate persönlich und stehen ihnen sehr nahe. Warum es so lange dauerte? Ich empfinde dies ehrlich gesagt nicht wirklich als grosse Lücke. Mir ist es viel Iieber, eine Band veröffentlicht erst dann neues Material, wenn sie auch wirklich etwas zu sagen hat. Es gibt nichts Langweiligeres als Bands, die jedes Jahr ein praktisch identisches Album auf den Markt schmeissen. Wir wollten erst dann veröffentlichen, als die Zeit reif dafür war und wir zeigen konnten, wie wir uns musikalisch und persönlich weiterentwickelt haben. Ich denke, dass „Rebel Against Me“ einen bedeutenden Fortschritt unsererseits aufzeigt.

Folkmetal.at: Nachdem das Album nun bereits seit einem halben Jahr erhältlich ist, startete kürzlich eine zweite Promotion-Kampagne. Wart ihr der Meinung, dass „Rebel against me“ bislang nicht genug Aufmerksamkeit erhielt?

Jan Vrobel: Hmmm, schwierige Frage. Vor ein paar Jahren hätte ich dir geantwortet, dass ein Album immer nur so viel Aufmerksamkeit erhält, wie es verdient. Heute weiss ich, dass dies so nicht stimmt. Die Aufmerksamkeit, welche deine Musik erhält, besteht aus einer Kombination von natürlichen Elementen, wie z. B. dass dich die Leute wirklich mögen, und Geld, welches ein Label / eine Band in die Promotion investiert. Letztlich ist Metal nichts anderes als ein Geschäft. Ich möchte hier nicht wie ein liebeskranker Trottel klingen – ein solcher bin ich nun wirklich nicht – und beklage mich auch nicht darüber, dass mein Album nicht mehr Aufmerksamkeit erhielt, aber es ist nun mal so: je stärker du mit den Medien kooperierst, desto eher steigert sich dein Bekanntheitsgrad. So läuft dieses Geschäft nun einmal. Am meisten verehre ich Bands, welche ihre Aufmerksamkeit aufgrund reiner Mund-zu-Mund Propaganda erreichten. Dies bedeutet doch, dass sie wirklich starkes Material kreieren.

Folkmetal.at: Erzählt uns mehr über euer aktuelles Album. Steht ein bestimmtes Konzept dahinter? Rebellion scheint auf alle Fälle eine bedeutende Rolle darin zu spielen…

Jan Vrobel: Wo soll ich da anfangen? „Rebel Against Me“ ist unheimlich bedeutsam für uns. Das Konzept kann in den Liner Notes des Booklets nachgelesen werden. Jeder Song enthält zusätzlich eine kurze Umschreibung über den Lyrics. Von daher sind wir überzeugt, dass die Hörer die Message verstehen werden. Das Album ist allen bekannten und unbekannten Helden gewidmet, welche sich dafür entschieden haben, das richtige zu tun. Und zwar unabhängig davon, was die Gesellschaft darüber denkt. Es brauchte einen Pionier, der sich für Frauenrechte einsetzte oder einen, der dafür einstand, dass Homosexuelle als gleichberechtigte Menschen behandelt werden müssen. In ihrer Zeit waren dies unglaublich rebellische Taten. Heute befinden wir uns erneut in einer Zeit der Wende. Wir leben in einer globalisierten Welt. Die Zivilisation, in der wir leben, kann in bestimmten Ecken der Welt zu Konflikten oder sozialer Ungerechtigkeit führen. Daher empfinde ich es als extrem wichtig, meinen Teil der Verantwortung wahrzunehmen und so viel als möglich zu helfen. Wie die gesampelte Stimme von Charlie Chaplin zu Beginn unseres Album sagt: „Ich glaube, dies ist es, was es bedeutet, menschlich zu sein“.

Cruadalach_RebelAgainstMe_coverart

Folkmetal.at: Im Vergleich zu anderen Folk Metal Bands handeln eure Lyrics von ernsthafteren Themen – häufig mit direktem Bezug zur Gegenwart. In ‚Revolt without a Name‘ beispielsweise erwähnt ihr den Syrien und Ukraine-Konflikt. Was für eine Absicht steht hier dahinter?

Jan Vrobel: Nicht mehr und nicht weniger als Mitgefühl gegenüber Opfern von Brutalität und Unterdrückung. Du siehst dies absolut richtig, ich schreie Dinge, die mich berühren, förmlich heraus. Es wäre wirklich eine Schande, wenn ich meine Stimme dazu verschwenden würde, immer wieder über Ragnarök zu singen. Dies soll keinesfalls als Beleidigung gegenüber Bands aufgefasst werden, welche das tun. Es würde sich jedoch für uns einfach nicht richtig anfühlen.

Folkmetal.at: Bei den früheren Releases habt ihr regelmässig die tschechische Sprache in euren Songs eingesetzt. Heute verwendet ihr in erster Linie Englisch, um euch auszudrücken. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Jan Vrobel: Wir möchten, dass unsere Message möglichst überall verstanden wird. So einfach ist das! Bedenke, dass etwa 50% unserer Shows im Ausland stattfinden. Ausserdem kann eine aussagekräftige Message so einfacher formuliert werden.

Folkmetal.at: Da unser Online-Magazin im deutschsprachigen Teil Europas angesiedelt ist, stammt der Grossteil unserer Leserschaft aus eben jenem Gebiet. Bitte gebt uns einen kurzen Überblick über die Metal Szene der Tschechischen Republik im Allgemeinen und der Folk Metal Szene im Besonderen.

Jan Vrobel: Gerne nenne ich dir einige Namen, die wirklich Aussergewöhnliches schaffen. Erstens, die brutale Hentai Corporation, welche in your face Rock’n’Roll mit entsprechender Attitüde zocken. Die scheren sich einen Dreck um irgendetwas und kreieren dabei unglaubliche Musik. Dann möchte ich unbedingt Atari Terror und Modern Day Babylon erwähnen. Diese beiden Bands verdienen definitiv Aufmerksamkeit! Betreffend Folk Metal habe ich kürzlich festgestellt, dass es da ein paar junge, aufstrebende Bands gibt. Die Menschen scheinen nach wie vor Gefallen an diesem Genre zu finden, was wir natürlich begrüssen.

Cruadalach 2

Folkmetal.at: Was dürfen wir in Zukunft von Cruadalach erwarten? Wird es erneut drei Jahre bis zu eurem nächsten Release dauern?

Jan Vrobel: Dies kann ich ehrlich gesagt im Moment nicht beantworten. Derzeit leben wir „Rebel“. Wir spielen Shows und denken natürlich auch an das dritte Album. Aber wie wird es klingen, wovon wird es handeln? Es bestehen viele Ideen und Wege, aber wir benötigen Zeit um zu entscheiden, wohin wir gehen wollen. Eines kann ich euch jedoch bereits jetzt sagen: das dritte Werk wird wiederum absolut ehrlich und authentisch ausfallen. Und möglicherweise wird es Genre-Grenzen sprengen.

Folkmetal.at: Zeit für die berühmten letzten Worte…

Jan Vrobel: Ich weiss, dass uns Folkmetal.at über all die Jahre immer unterstützt hat. Dafür bin ich wirklich dankbar! Ich hoffe, euch allen hat „Rebel Against Me“ gefallen, obwohl es sich nicht um ein typisches Folk Metal Album handelt.

Folkmetal.at: Auch wir bedanken uns dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unsere Fragen zu beantworten! Das Interview führte Wallace von Folkmetal.at Weitere Informationen über Cruadalach: Homepage von Cruadalach Facebook Seite von: Cruadalach

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