Interview – Tibetréa

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© Katia H.

Im Herbst 2014 erschien mit „Peregrinabundi“ das Drittwerk der Fantasy Folker Tibetréa. Im Rahmen ihres Gigs in Hitchy’s Rockbar Anfang Oktober 2015 in der Schweiz wurden die Bayern zum Interview gebeten. Unseren Fragen stellten sich die beiden Damen der Band, Mirán und Elisabeth. Den Ausgang dieser munteren Fragerunde lest ihr in den nachfolgenden Zeilen…

Folkmetal.at: Danke, dass ihr am Tag der Deutschen Einheit den weiten Weg in die Schweiz gefunden habt und euch die Zeit nehmt, unsere Fragen zu beantworten. Zuallererst bitte ich euch, die Band der Leserschaft kurz vorzustellen.

Mirán: Wir heissen Tibetréa, stammen aus München und spielen Fantasy Folk, wie wir unseren Stil selber bezeichnen. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus mittelalterlichen Einflüssen, Pagan Folk und unseren eigenen, modernen Ideen. Der Beat spielt eine wichtige Rolle, es soll auch ein bisschen rockig sein und schliesslich ist die Trompete zu nennen, die auch mal ein funky Solo spielen darf.

Folkmetal.at: Woher stammt der Name Tibetréa und was bedeutet dieser?

Mirán: Wir würden ja gerne sagen, es sei eine mystische, versunkene Stadt aus einem fernen Reich. Tatsächlich sind es jedoch die Anfangsbuchstaben der Namen der drei Gründerinnen. Aber es klingt gut und dies ist das Wichtigste!

Folkmetal.at: Eine Band stellt ein sehr zeitintensives Hobby dar. Was macht ihr beruflich, wenn ihr nicht gerade Konzerte spielt, Alben einspielt oder im Bandraum probt?

Mirán: Den Begriff Hobby verwenden wir auf der einen Seite gerne, weil uns die Band wahnsinnig viel Spass bereitet. Andererseits sehen wir das Ganze schon sehr professionell. Wir bezeichnen dies daher manchmal als semi-professionell, da wir mit etwa 25 Konzerten im Jahr schon ziemlich viel unterwegs sind und überdies alle zwei Jahre ein neues Album veröffentlichen. Da steckt viel Leidenschaft aber natürlich auch viel Zeit drin. Ich zum Beispiel bin Wissenschaftlerin, Autorin und freie Wissenschaftsjournalistin…

Elisabeth: …ich bin technische Zeichnerin…

Mirán: …wir haben Leute, die in der IT arbeiten, die Geologie studieren und wir haben zwei Sozialpädagogen in der Band, daher sind Sitzkreise an der Tagesordnung (schmunzelt).

Folkmetal.at: Wie seid ihr zur mittelalterlichen Musik bzw. zum Fantasy Folk gekommen?

Elisabeth: Bei mir waren die Herr der Ringe Filme die Auslöser. Ich habe mir diese angeschaut und dachte, so etwas in dieser Richtung möchte ich auch machen. Daraufhin starteten Mirán und ich ein Musikprojekt, welches aber noch gar nichts mit Mittelalter zu tun hatte. Wir merkten dann aber rasch, dass wir beide Mittelalter und Fantasy ganz toll finden, woraus sich letztlich die Band gründete.

Mirán: Was sicherlich auch eine Rolle spielt, ist die Faszination für Instrumente. Es macht einfach Spass mal über Bass und Schlagzeug hinaus andere Klangvielfalten zu entdecken. Wir sind regelrechte Instrumentensammler. Die Elisabeth liegt hier an der Spitze mit über 100 Instrumenten…

Elisabeth:…heute ist mit einem Harmonium ein weiteres dazugekommen…

Mirán: …und ebenfalls von Bedeutung, ist die Faszination für alte Mythologien. Das hat ja auch mit unseren Ursprüngen zu tun, dass man sich für die Mythologien der Germanen, Kelten aber auch mit jener der Aborigines und Maoris beschäftigt. Dies sind alles Dinge, die in unsere Lieder einfliessen, die uns aber ganz einfach auch persönlich sehr faszinieren.

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© Katia H.

Folkmetal.at: Der Einsatz einer Trompete in diesem Gerne darf getrost als unüblich, wenn nicht gar einzigartig bezeichnet werden. Was hat euch dazu bewogen dieses Instrument in eure Songs einzubauen?

Mirán: Als wir Mitmusiker suchten, haben wir an der Musikschule unserer Heimatstadt einen Aushang angebracht. Auf diesen meldete sich unser Martinus… und der spielte Trompete. Dadurch, dass wir sowieso einen Mix aus modernen und alten Instrumenten haben, fügt sich diese wunderbar ein und wurde definitiv zu einer wichtigen Charakteristik für uns,…

Elisabeth: …die aber die Geister schon spaltet,…

Mirán: …genau, und gerne auch mal als Hupe bezeichnet wird (lacht).

Folkmetal.at: Ihr integriert viele unterschiedliche Kulturen und deren Elemente in euren Sound. Rührt dies daher, dass eure musikalischen Einflüsse derart vielfältig sind oder was sind die Gründe für diesen enormen Abwechslungsreichtum?

Mirán: Eines unserer Mottos lautet: jeder Song soll anders klingen. Wir hören selber gerne abwechslungsreiche Musik und finden Bands spannend, bei denen viele verschiedene Dinge passieren. Was aber auch eine Rolle spielt, ist die Tatsache, dass wir aus sehr unterschiedlichen Bereichen wie Rock, Big-Band, Funk, Weltmusik und Klassik stammen. Daraus versuchen wir unseren gemeinsamen Sound zu kreieren.

Folkmetal.at: Des Weitern habt ihr beispielsweise mit ‚Herr Mannelig‘ oder dem ‚Merseburger Zauberspruch‘ auch einige Genre-Klassiker im Programm. Worin besteht die Motivation, diese bereits x-fach adaptieren Songs ebenfalls zu interpretieren?

Mirán: Hierzu muss man sagen, dass der ‚Merseburger Zauberspruch‘ kein traditionelles Stück, sondern einen traditionellen Text darstellt. Diesen haben wir ganz anders vertont als beispielsweise In Extremo. Generell machen wir es dann, wenn uns die Thematik fasziniert und wir das Gefühl haben, dass man den Song auch noch anders interpretieren kann.

Elisabeth: Wobei es im Falle von ‚Herr Mannelig‘ so war, dass die Filmgruppe TC Pictures eine Band suchte, welche den Song für sie als Soundtrack spielt, damit sie die Story dazu verfilmen können. Dementsprechend brauchte es eine enge Zusammenarbeit mit dem Regisseur, der uns beispielsweise Anweisungen erteilte, wie lange bestimmte Passagen des Liedes dauern sollen.

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Folkmetal.at: Wie darf man sich den Kompositionsprozess im Hause Tibetréa vorstellen? Wer sind die treibenden Kräfte beim Songwriting?

Mirán: (grinst) Die Elisabeth kauft ein neues Instrument und meint dann, „wir müssen jetzt einen Song schreiben, in welchem ich dieses spielen kann“. Tatsächlich ist das eine Variante, die zu einem neuen Lied führen kann. Es gibt aber verschiedene Ausgangswege: Meistens liegt die Grundidee bei einer Person. Von dieser ist es dann jeweils abhängig, wie das Ganze startet. Ich zum Beispiel beginne meistens mit dem Text und komme danach mit einer Melodielinie, wie ich diesen singen möchte. Die Band arrangiert im Anschluss den ganzen Song. Die Elisabeth komponiert am PC mit Notenprogrammen, während die Rhythmussektion mit Akkordfolgen, Rhythmik und Songstruktur beginnt und der Text meist erst ganz am Schluss entsteht.

Folkmetal.at: Angenommen ihr seid unterwegs und habt eine geniale Songidee. Wie wird diese festgehalten?

Mirán: Mit einem Aufnahmegerät. Mir fallen Texte häufig beim Autofahren ein. Deshalb habe ich immer ein Diktiergerät rumliegen, welches ich nur einschalten muss. Manchmal ist es auch so, dass man beim Reisen auf Texte stösst. So haben wir beispielsweise eine alte Maori-Legende (‚Hinehukatere‘ vom Album „Cadbodua“) vertont, die wir bei einer Therme in Neuseeland gelesen haben.

Folkmetal.at: Stichwort (legale) Downloads: Was bringt einer Band eures Bekanntheitsgrades mehr, wenn die Hörer einen physischen Tonträger kaufen oder das Album auf einer der bekannten Plattformen gegen Bezahlung runterladen?

Elisabeth: Unser Hauptgeschäft sind die Live-Konzerte. Sind die Leute von unserer Musik begeistert, nehmen sie gerne eine CD mit nach Hause. Die meisten CD-Verkäufe finden sicherlich so statt.

Mirán: Obwohl bei diesen Verkäufen unter dem Strich am meisten für die Band übrig bleibt, bieten wir unsere Musik auch bei allen einschlägig bekannten Downloadportalen an. Was uns daran freut, ist die Tatsache, dass so ein breiteres Publikum erreicht werden kann. Etwas deprimierend wiederum sind Streamings. Man kriegt seitenweise aufgelistete Streamings und erhält dafür ganze drei Euro. Trotzdem werden wir noch in diesem Jahr eine digitale Single namens ‚Wintersturm‘ (erscheint am 06.11.2015; Anm. des Verfassers) veröffentlichen.

Folkmetal.at: Und wie steht ihr zu illegalen Downloads?

Mirán: Das ist sehr zweischneidig. Klar freut man sich als kleine Band immer, wenn man die Bekanntheit vergrössern kann. Sagt uns jemand, er habe die Musik illegal runtergeladen und fand sie derart gut, dass er jetzt einem Konzert beiwohnt, ist das schon ganz cool. Aber natürlich freuen wir uns viel mehr, wenn der Download gegen Bezahlung erfolgt. Dies ermöglicht uns letztlich, ein neues Album, eine neue CD aufzunehmen.

Folkmetal.at: Habt ihr schon einmal über einen Vinyl-Release nachgedacht?

Mirán: Nur kurz! Nachdem wir die Kosten für die Herstellung recherchiert haben, mussten wir die Idee rasch wieder verwerfen. Ausserdem glauben wir, dass die Nachfrage nicht gross genug ist.

Folkmetal.at: Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Ist bereits ein neues Album in Sicht?

Mirán: Es wird ein neues Album geben, dessen Thema „Zauber und Rituale“ lauten wird. Insgesamt fünf Songs sind bereits eingespielt. Es wird schön mystisch, ein bisschen poetisch, experimentell und noch eine Nuance rockiger. Wir wollen uns genügend Zeit für die übrigen acht, neun Songs sowie für ein schönes Artwork mit entsprechendem Shooting lassen. Deshalb wird das neue Werk wohl erst Anfang 2017 erscheinen.

Folkmetal.at: Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch alles Gute für die Zukunft.

Das Interview führte Wallace.

Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Katia H.

Weitere Informationen über Tibetréa:

Offizielle Webseite von Tibetréa

Facebook-Seite von Tibetréa

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