CD-Review: Myrkur – M

myrkur_M

[Ambient Black Metal/Folk] – Relapse Records (2014)
USA
Verführerisch schön!

Kaum eine Person hat in letzter Zeit die schwarzmetallischen Geister dermassen gespalten. Überwältigend gut bis vernichtend schlecht waren die Reaktionen von diversen Underground-Zines. Die Rede ist nicht von einer neuen Ausgeburt der Hölle à la Carpathian Forest oder ähnlicher Konsorten, sondern von einer gewissen Mrs. Amalie Bruun aus Dänemark, die mittlerweile in den USA heimisch geworden ist. Künstlerisch mutiert zu „Myrkur“, was auf isländisch so viel wie „Dunkelheit“ bedeutet.

Zur Klarstellung: die positiven Resonanzen waren in der Überzahl. Denen kann ich mich nur anschließen. Ich neige sogar dazu, in die besten Töne einzuschlagen. Als Vorgeschmack bekamen wir 2014 die EP „Myrkur“ zu hören. Nun liegt das erste full-length Album der Female Black Metallerin auf. Vorweg die Dame hat musikalisch einiges drauf.

Was „M“ so besonders macht, ist die Vereinigung von Melancholie und bitterer Kälte. Auf der einen Seite verzerrte Gitarren-Riffs und brachiales Gekrächze und auf der anderen verträumter Klargesang und perfektes Ambiente. Mag nicht so neu klingen, ist es aber. Der Female-Gesang macht es möglich. Und dass alles perfekt harmoniert, ist nicht immer selbstverständlich. Ein Mitgarant dafür ist Kristoffer Rygg von Ulver, der als Produzent für das Album verantwortlich war. Das erklärt auch die unverkennbaren Einflüsse von Ulver auf „M“.

Der Hauptakteur ist dennoch weiblich, auch wenn einige böse Zungen behaupten, die Akteurin sei nur ein weiteres Produkt einer gezielten Vermarktung. Was am Ende zählt, ist jedoch immer noch die Musik. Myrkur nimmt uns mit auf eine schwarzmetallische Reise mit vielen sanften und träumerischen Elementen. Ich habe mich etwas mehr mit der Person hinter Myrkur beschäftigt und bin vor allem von ihrem musikalischen Können beeindruckt. Die Dame kann wunderbar Klavier spielen (was sie auch auf dem Album mit ‚Norn‘ bestätigt), hat eine wunderschöne, ausgebildete Stimme und kann teuflisch krächzen, so dass manch männlicher B.M.-Purist blass wird, ohne dabei Panda-Bären Make-up zu tragen.

Ein weiterer Aspekt, der mir imponiert, ist Myrkurs Liebe zur Natur und dem alten Glauben. Auf dem renommierten Roskilde-Festival in Dänemark beeindruckte Amalie Bruun das Publikum in weiss(!!!) gekleidet mit ihrer ersten Live-Darbietung. Unterstützt wurde sie dabei von Mitgliedern des norwegischen Mädchenchors. Alteuropäische Tradition ist ebenso ein wichtiger Aspekt in Lied und Text.

„M“ überzeugt den Hörer mit variablen Passagen, die ihn von düsteren Wäldern und Naturgeistern träumen lassen. Meine persönlichen Favoriten: ‚Skøgen Skulle Dø‘, ‚Onde børn‘ und ‚Nordlys‘. Die restlichen 8 Stücke stehen ihnen um nicht viel nach. Hochachtung, dass sich Myrkur in ein von Männern dominiertes Genre wagt und dieses auf ihre Art und Weise perfekt umsetzt. „M“ bekommt von mir eine absolute Weiterempfehlung – ein Geheimtipp, abseits von Genrezwängen!

Hörbeispiele zu Myrkur finden Sie unter folgendem Link: https://myrkur.bandcamp.com/

geschrieben am 03.12.2015 von erich@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 11 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Myrkur
Relapse Records

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