CD-Review: Festung Nebelburg – Zwischen den Jahren

festung nebelburg_2015

[Pagan Metal/Black’n‘Roll] – Eigenproduktion (2015)
Deutschland
Die Wilde Jagd ist eröffnet!

Acht Jahre nach Erscheinen des Debüts „Gabreta Hyle“ (2007) steigt das Ein-Mann-Projekt von Nattulv (ex-Developing Anger, ex-Nordfrost, ex-Wolfchant) wieder aus den Nebeln empor – und bringt uns ein wildes und stürmisches Werk, gewidmet den Raunächten. Passend ist daher nicht nur der Albumtitel „Zwischen den Jahren“ gewählt, sondern auch das Veröffentlichungsdatum, das mit dem 28. Dezember 2015 mitten in den Raunächten angesiedelt wurde.

Die Frage, die sich bei jedem Konzeptalbum aufdrängt, stellt sich auch hier: Schafft es das mit neun Tracks aufwartende Werk musikalisch, den Hörer in die Stimmung der zeitlosen, dunklen und stürmischen Raunächte – eben in die Zeit zwischen den Jahren – zu versetzen?

Der „Prolog“ stimmt gekonnt nicht nur lyrisch, sondern auch musiktechnisch auf alles Kommende ein: Akkordfolgen und Sologitarrenmelodien in klassischer Pagan Metal-Manier wechseln sich mit Black Metal-Einlagen ab, die mit stürmischen Blastbeats und herrlich-dissonanten Riffs für Abwechslung sorgen und den Songs eine gehörige Portion vorantreibende Kraft verleihen.

Die Komponente ‚Black’n’Roll‘ aus dem von Festung Nebelburg versprochenen ‚Hybrid aus Pagan Metal, Black Metal und Rock‘ tritt besonders in den Clean Vocals, die neben harschem Gesang eingesetzt werden, hervor. So muten diese vereinzelt fast punkig und grölend an, wie beispielsweise in den Songs „Drudendrücken“ oder „Irrlicht“ zu hören ist.

Diese rockige Komponente will für das Aufkommen eines inneren Bildes der mystischen, dunklen und wilden Raunächte nicht so recht hilfreich sein. Umso mehr entsprechende Stimmung bringt dafür der Song „Altes Wissen“: Das donnernde Intro, die treibenden Riffs und die dadurch dem Song innewohnende immense Kraft peitscht dem Hörer förmlich Wind und Schnee ins Gesicht und er sieht sich erbarmungslos vom Wilden Heer mitgerissen, das während den Raunächten unheilvoll um die Häuser tobt. Ein wunderbar wilder, rauer und entsprechend stimmungsvoller Song.

Losgelöst vom Gesichtspunkt, ob „Zwischen den Jahren“ der musikalischen Umsetzung des vorgenommenen Konzepts der Raunächte immerzu gerecht werden kann oder nicht: Festung Nebelburg liefert mit „Zwischen den Jahren“ eine eingängige und dennoch abwechslungsreiche Scheibe ab, auf der Pagan-, Black- und Rock-Elemente gekonnt ineinanderfließen. Hervorgehoben sei auch die gelungene Produktion, die bis auf die teilweise dynamisch totgemischten Cleanvocals in ausgewogenem Mix daherkommt.

Besonders beachtenswert ist das durchgehend einwandfreie Songwriting: Die einzelnen Parts fließen ungehemmt ineinander über, beschleunigende Riffs und Beats sind ebenso an richtiger Stelle eingesetzt wie mutige Stille, auf die bezaubernde Akustik-Teile folgen. Stilistisch dürfte es noch spannender werden, wenn man sich von den teils zu sehr hörbaren Einflüssen von Genre-Grössen emanzipieren würde (so erinnert zum Beispiel „Perchtenlauf“ an „Slayer of Light“ von Ensiferum) und den eingeschlagenen Weg des erfrischenden musikalischen Hybrides noch mutiger geht.

Hörbeispiele zu Festung Nebelburg finden Sie unter folgendem Link: https://www.youtube.com/watch?v=2iRv5tdUzgM

geschrieben am 29.02.2016 von babs@folkmetal.at info@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Festung Nebelburg
Eigenproduktion

Eine Antwort zu “CD-Review: Festung Nebelburg – Zwischen den Jahren

  1. Pingback: CD-Review: Higurd – Egozentrik | Folkmetal.at

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