CD-Review: Malus – Looking through the Horrorglass

malus_2016

[Orchestral Black Metal] – Eigenproduktion (2016)
Deutschland
Grausig-schön bis statisch-belanglos!

Nach fünf in Eigenregie aufgenommenen und gemischten Alben wartet das Einmann-Projekt ‚Malus‘ mit dem sechsten Werk auf – geschrieben, aufgenommen, gemischt und gemastert von Multitalent Wargrath alias Marlon Drescher. Sogar förmlich beschenkt werden wir damit, denn das komplette Werk wird unter dem Motto „real music for genuine experience“ zum kostenlosen Download angeboten – eine feine Geste! Nun, einem geschenkten (Klang-)Gaul soll man ja bekanntlich nicht ins Maul schauen – da sich dies bei ‚Looking through the Horrorglass‘ aber auf jeden Fall lohnt, erlauben wir uns nichtsdestotrotz einen genaueren Blick.

Neben der Musik ist im Download ein liebevoll gestaltetes Booklet inklusive Lyrics enthalten; ein mystisch-phantastisch anmutendes Artwork und Poesie über metaphorische Puppenspieler und in Idyllen einbrechende Albträume laden ein in eine Welt voller Geheimnisse und permanent drohendem Unheil – musikalisch wird diese Thematik vor allem im Song „Alienhand“ (klarer Anspieltipp!) gekonnt umgesetzt: Wargrath weiss, wie man die Fäden in Sachen orchestraler Komposition richtig zupft. Im Intro wird mit Dissonanzen so schaurig-schön getändelt, dass es einen unbehaglich graust.

Genauso filmmusikreif ist das Intro von „Non Timebo Mala“ beschaffen. Die orchestralen Einsätze lassen Unmengen an inneren Bildern (auf)erstehen und gehören so klar zu den Stärken dieser Platte. Ebenso wohltuend sind die schwarzmetallischen Parts, die sich in kraftvollen und treibenden Gewitterwänden manifestieren. Auch dazu sei wieder auf den Song „Alienhand“ oder auch auf „Night of Terror“ verwiesen. Die vermehrt eingesetzten Harsh Vocals sind einwandfrei, der in „Now“ eingesetzte Clean Gesang bedürfte noch an Schliff in punkto Tonsicherheit.

Und damit zum faulen Zahn der Platte: So pompös und zauberhaft komponiert die orchestralen Parts und die Songs mit ihren geheimnisvollen Akkordfolgen wirken, umso liebloser und irgendwie vergessen wirkt oft die Rhythmus-Gitarre. Zu viele Songs werden im immer gleichen „90er-Jahre-Gothic-Rock“-Rhythmus begleitet, was die Stücke lahm und statisch wirken lässt.

So wird das Hörerlebnis mit Fortlauf der Platte leider auch etwas anstrengend und einige Songs wirken dadurch belanglos. Würde hinsichtlich rhythmischer Abwechslung mit derselben Emsigkeit und Versiertheit komponiert wie in punkto Orchestrierung, könnte der ‚musikalische Blick durch das Horror-Monokular‘ durch nichts mehr getrübt werden.

Nichtsdestotrotz sei ein Download empfohlen, alleine schon wegen der Stimmung, die das Album vor allem durch die bereits gelobten orchestralen Parts entfaltet. Wer es hinsichtlich Gothic Metal gerne retro mag, dürfte hier durch die entsprechend gespielten Synthies auf seine Kosten kommen.

Das Album kann unter folgendem Link unentgeltlich (gegen Hinterlassen einer Email-Adresse) heruntergeladen werden: http://85.214.46.59/MalusWeb/download

Hörbeispiele zu Malus: https://www.youtube.com/channel/UCbRNCYPPxDvcSE7fIFxXB9A

geschrieben am 10.04.2016 von babs@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Malus
Eigenproduktion

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s