CD-Review: Day’s End – Der einsame Weg

day's end_der einsame weg

[Atmospheric Black Metal] – Winterwolf Records (2016)
Deutschland
Frei jeglicher Konvention!

Day’s End: dieses Zwei-Mann Projekt aus Thüringen machte erstmals im November 2014 mit seinem eigenwilligen Debüt „Ein letzter Hauch“ auf sich aufmerksam. Lediglich ein gutes Jahr später doppeln Nero und Nargathrond bereits mit „Der einsame Weg“ nach. Als Intro dienen mit leicht schiefem Klargesang unterlegte Gewitter-Geräusche ehe die E-Gitarre noch etwas verhalten aber gleichwohl leicht bedrohlich auf den ersten regulären Track ‚Für immer‘ einstimmt. Rockige Gitarren leiten hier die erste Schwarzmetall-Eruption ein. Dezente Keyboard-Samples sorgen – eingesetzt an den richtigen Stellen – für Atmosphäre. Die Drums dürften wiederum programmiert worden sein, da diese nach wie vor recht klinisch klingen.

‚Brenne im Wind‘ schliesst zunächst nahtlos an den Auftakt an und vermag mit klirrenden E-Gitarren zu überzeugen, bevor ein jähes Break das Tempo massiv drosselt. Die Clean-Vocals der beiden Herren treffen auch hier nur phasenweise die Töne und man wünscht sich des öfteren, dass der Schuster doch bei seinen Leisten (in diesem Falle der Keifgesang) bleiben möge.

Es folgt ‚Eternity‘, wo erstmals englische Lyrics eingesetzt werden. Störend wirkt hier die Tatsache, dass insbesondere die Drums im Vergleich zu den vorangehenden Tracks massiv leiser abgemischt wurden und daher im Hintergrund lediglich ganz dezent herumklöppeln. Ein Mangel, der leider über die gesamte Albumlänge immer mal wieder auftaucht.

Krähengesang ertönt zu Beginn von ‚Melancholie‘, das themengerecht im Midtempo gehalten wird und durch atmosphärische Gitarrenarbeit sowie verzweifeltes Gekeife und Geschreie Anklang findet. ‚Old Stories‘ ballert da ganz anders aus den Boxen: Der bislang schnellste Song des Werks wird mit Double-Bass und Blast-Beat Attacken vorangetrieben, vermag da-bei aber dank geschickt eingebauten, sich wiederholenden Breaks auch bei einer Spielzeit von sechseinhalb Minuten für Abwechslung zu sorgen.

Bei ‚For you‘ handelt es sich tatsächlich um eine Art schwarzmetallische Ballade (ja, richtig gelesen), während ‚Jeder stirbt allein‘ wiederum einen deutlich verzweifelteren Grundtenor aufweist. Hier kommt neuerlich das Problem der kaum hörbaren Drums zum Tragen.

Mit ‚Nero‘ hat sich der Mastermind gewissermassen eine eigene „Hymne“ gezimmert. Wie viel der Lyrics dabei als persönlich / autobiografisch zu verstehen sind, entzieht sich unserer Kenntnis. ‚Befreie mich‘ bewegt sich einmal mehr in der negativ-depressiven Grundstimmung des Albums, wobei die klirrenden E-Gitarren den Track stellenweise fast schon hoffnungsvoll begleiten.

‚Life shines from the other Side‘ zeigt, dass sich Day’s End durchaus auch in der englischen Sprache auszudrücken vermögen. Als stimmliches Mittel werden hier dunkle Growls, welche ansonsten nur selten auf dem Werk erklingen, eingesetzt. Der Titeltrack, ein achtminütiges Monument, beschliesst das Album in (für Day’s End Verhältnisse) fast schon traditioneller Black Metal Manier.

Day’s End werden bei der Trveness-Szenepolizei immer verhasst bleiben: auch anno 2016 schert sich das Duo einen Dreck um Genre-Konventionen und haut den Hörern ein 60-minütiges Gebräu aus atmosphärischem, ballerndem und depressivem Black Metal mit nicht wenigen (Post-)Rock Einflüssen um die Ohren. Einfache Kost ist es daher nicht, die Day’s End auf „Der einsame Weg“ servieren. Dies war aber wohl auch nie die Absicht des Duos. Erfrischend ist nach wie vor die vorbehaltslose Art und Weise, in welcher Day’s End ihre Mu-sik komponieren. Streng nach dem Motto: „alles ist erlaubt – Grenzen gibt es keine“. Äusserst emsig sind die beiden Recken überdies, so wurde bereits eine Old School EP für später in diesem Jahr angekündigt.

Letztlich vermochte „Ein letzter Hauch“ etwas mehr zu überzeugen. Das Erstwerk wirkte in sich schlüssiger und wies keine störenden (Lautstärken-)Schwankungen in der Produktion auf. Ein abwechslungsreiches, unorthodoxes Album ist „Der einsame Weg“ aber alleweil geworden.

Ganz so einsam wird der Weg für Day’s End übrigens nicht verlaufen: am diesjährigen Ragnarök Festival war das neue Werk bereits früh am zweiten Tag ausverkauft!

Hörbeispiele zu Day’s End: http://www.youtube.com/channel/UCVVx-HVfAhBmXtp2piOxaTA

geschrieben am 10.05.2016 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Day’s End
Winterwolf Records

Eine Antwort zu “CD-Review: Day’s End – Der einsame Weg

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