CD-Review: Vetten Äpärät – Syntyi Talven Kyynelistä

vetten_äpärät

[Folk/Fantasy Metal] – Inverse Records (2016)
Finnland
Ensiferum, nochmals Ensiferum und dann doch was ganz eigenes!

Die sechsköpfige Kombo aus Helsinki präsentiert mit dem anfang April 2016 erschienenen Album ‚Syntyi Talven Kyynelistä‘ ihren Studio-Erstling. Vertont wurde die in einem Fantasy-Umfeld angesetzte Geschichte eines Bauern, der sich auf ein Kreuzzug-ähnliches Abenteuer begibt. Dabei findet er sich mit Naturgeistern konfrontiert, die ihm und nebenbei der gesamten Menschheit ordentlich zu Leibe rücken wollen. Die Band dazu: „This is a story not of cheerful heroism but of cruel survival.”

Gemäss dem zur Veröffentlichung mitgelieferten Promotext wird von der Band beansprucht, im Folk Metal neue Wege einzuschlagen. Leider ist davon aber nicht viel zu hören. Vom mitgesandten Bandfoto über die Arrangements der Lieder und von der Art der Melodieführung bis hin zum Gesang: Fast ausschliesslich überall ist nur Ensiferum zu hören und zu sehen. Das ist per se nichts, das es zu verurteilen gilt und entsprechende Fans werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen – nur die versprochene Innovation verpufft leider als leeres Versprechen.

Zwei Ausnahmen lassen jedoch aufhorchen und den einen oder anderen vielleicht auch aufatmen: Zum einen ist da ‚Wind of Exhaustion‘, das sich mit einer düsteren Intro-Melodie schon einmal geheimnisvoll von den restlichen Songs abhebt, die tonal leider zu oft in der schon tausend Mal gehörten Pagan-Melodieführung verbleiben. Im Folgeverlauf entwickelt sich der Song zu einer herrlich-düsteren Wucht, die nur noch durch – sehr originell gemachte! – Zwischenteile gebremst werden kann.

Zum anderen ist da das Interludium „Herätys“, das direkt mit düsterem Kehlkopf-Gesang einsteigt, was wiederum nicht nur originell, sondern auch schön stimmungsvoll daherkommt. Die sich anschliessend erhebende Sprechstimme und die massvoll eingesetzten Synthies entfalten eine herrlich bannende Wirkung und spätestens, als der wunderbar episch anmutende Chor einsetzt, fühlt man sich irgendwie grausig verflucht. Dies zeigt: Vetten Äpärät wissen, wie man mit Musik Wirkung entfalten kann. Schade nur, dass die Finnen bisher dennoch zu sehr aufs Kopien-Pferd setzen, anstatt sich mit ihrem künstlerischen Können zu emanzipieren.

Hinsichtlich Songwriting werden hie und da die für ein Erstlingswerk typischen Fehler gemacht: Die einzelnen Teile der Songs wiederholen sich zu oft, was die Songs in Überlänge erscheinen lässt, ohne dass sie aber knackig genug wären, um den Hörer zu packen.

Spieltechnisch gibt es dagegen gar nichts zu bemängeln: Das musikalische Können jedes einzelnen Bandmitgliedes ist absolut einwandfrei auf der Platte ein- und umgesetzt, was wiederum für einen Erstling positiv überrascht.

Mixtechnisch sind die zur blitzblanken Sauberkeit getriggerten Drums wohl Geschmacksache. Genauso verhält es sich mit den stark in den Vordergrund gemischten Synthies, die die Gitarren teilweise doch sehr übertönen und damit einen ordentlichen Anteil Metal aus der Produktion verdrängen.

Abgesehen davon ist ‚Syntyi Talven Kyynelistä‘ aber eine sehr ausgewogen gemischte Produktion, die besonders Fans der ersten zwei Ensiferum-Alben sowie des ersten Wintersun-Albums begeistern dürfte.

Hörbeispiele zu Vetten Äpärät: https://soundcloud.com/vettenaparat

geschrieben am 24.05.2016 von babs@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 9 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Vetten Äpärät
Inverse Records

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