CD-Review: Gebrechlichkeit – Aphorismen der Angst

gebrechlichkeit-Aphorismen der Angst

[Black Metal] – Human to dust (2016)
Deutschland
Spuren im Dreck!

Es wird philosophisch: Wie der Titel des fünften Albums von Gebrechlichkeit verspricht, wurden kurzen, prägnanten, geistreichen Gedanken rund um das Thema Angst musikalische Form verliehen. Ich freue mich. Doch oh nein! Da ist ja auch noch dieses im Kitsch-Horror-Stil gehaltene Cover, worauf eine nackte Frau (ordentlich in Nebel gehüllt und von Scharen von Schädeln umgeben) kurzum als Cello missbraucht wird (wiederum natürlich mit ordentlich Kratzer und Blut auf dem Rücken). Sämtliche intellektuelle Vorfreude ist verflogen und ich bezweifle, dass mich da musikalisch oder künstlerisch etwas Gescheites erwarten wird. Und doch…

Zunächst packt der Kreischgesang meine Aufmerksamkeit, ja vereinnahmt sie vollkommen. Das Geächze und Geröchel klingt so wunderbar angeekelt und angekotzt, da springt einem direkt pure Widerwärtigkeit ins Gesicht. Und das passt perfekt zum Rest: chaotische Arrangements und kühl-dissonante Riffs in klassischer Black Metal-Manier untermalen die klirrende Kälte, die den Kompositionen entspringt. Besonders auffällig ist dabei der Dreck, der überall inne hockt – in den Vocals, in den Gitarren, in der Grundstimmung. Souverän und einwandfrei eingespielte Blasts treiben das Tempo stetig vorwärts – kein Zweifel, Chaos, der Kopf von Gebrechlichkeit, beherrscht das stringente Songwriting gleichwohl wie die Instrumente, die er auf „Aphorismen der Angst“ allesamt selbst eingespielt hat.

Abwechslung wiederum wird hingegen wenig geboten. Umso deutlicher stechen dafür kleine originelle Details hervor, wie beispielsweise ein kurzes Drumsolo in ‚Sündenrausch‘ oder der himmlische Kyrie-Chor zu Beginn von ‚die Verdammten der Hybris‘ (schöner Titel! Spätestens hier ist die intellektuelle Freude wieder hergestellt) – der dann aber natürlich sogleich wieder durch vermaledeit schmetternden Riffs zum Verstummen gebracht wird.

„Aphorismen der Angst“ folgt der Spur des ungeschmückten, unverschnörkelten, unbarmherzig rohen Black Metals. Wer davon begeistert ist, soll sich das neuste Werk von Gebrechlichkeit unbedingt anhören.

Hörbeispiele zu Gebrechlichkeit finden Sie unter folgendem Link: https://www.youtube.com/channel/UCuI9EMeXhZBGhEMgMmTsmbg

geschrieben am 09.08.2016 von babs@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Gebrechlichkeit
Human to dust

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