CD-Review: Saor – Guardians

saor_guardians

[Folk Black Metal] – Northern Silence Productions (2016)
Schottland
Alba gu bràth!

Hinter Saor (schottisch-gälisch für „frei“) steckt Andy Marshall aus Glasgow. 2012 unter dem Namen Àrsaidh (zu Deutsch: antik, altertümlich) gegründet, benannte der Schotte ein Jahr später das Ein-Mann Projekt in Saor um und veröffentlichte seither die Alben „Roots“ (2013) und „Aura“ (2014). Am 11. November 2016 wird nun bereits das Drittwerk „Guardians“ das Licht der Welt erblicken. Mangelnden Fleiss kann man dem Herrn demnach nicht vorwerfen, zumal er zu Beginn dieses Jahres auch noch das Debüt seines schwarzmetallischen Nebenprojekts Fuath (Hass) veröffentlichte.

Marshall ist wahrlich kein Freund kurzer Songs: Wie schon auf den Vorgängeralben weisen auch sämtliche fünf Tracks von „Guardians“ mit im Schnitt 11 Minuten Spielzeit Überlänge auf. Woran andere glorios scheitern, da läuft Saor zur Höchstform auf! Nur wenige Musiker (offensichtlichstes Beispiel sind Moonsorrow) schaffen es, Lieder über eine derart lange Spieldauer spannend zu halten.

Die Kombination aus äusserst atmosphärischem Black Metal und Folkelementen kommt dem Highlander dabei natürlich zu Gute. In diesem Genre lassen sich träumerische Gitarrenpassagen gefühlt ewig in die Länge ziehen, ohne dabei an Reiz zu verlieren. Wie aber die Folkinstrumente Dudelsack, Flöte, Bodhrán und Geige (letztere übrigens teilweise eingespielt von der ehemaligen Eluveitie-Violinistin Meri Tadic) integriert wurden, ist ganz grosses Kino!

Es versteht sich dabei von selbst, dass diese nicht im Dudel-Stil der Landsmänner Alestorm erklingen, sondern eine unterstützende bzw. begleitende Rolle einnehmen. Beispielsweise im Rausschmeisser ‚Tears of a Nation‘ ist die Dudelsack-Melodie vage an das schottische Traditional ‚Loch Lomond‘ angelehnt.

Lyrisch bediente sich Saor bei den grossen Dichtern Schottlands. So sind unter anderem Auszüge aus Werken von Robert Burns (‚The Declaration‘) und Sir Walter Scott (‚Hearth‘) auf „Guardians“ enthalten.

Einziger Kritikpunkt des Albums ist die nicht ganz optimale Abmischung. So erklingt beispielsweise die Geige phasenweise sehr dominant im Vordergrund und verdrängt entsprechend das Black Metal Instrumentarium zu stark ins hintere Glied.

Vor fast genau zwei Jahren, am 18. September 2014, stimmten die Schotten über das Unabhängigkeitsreferendum ab. Das Resultat ist bekannt, die Mehrheit entschied sich für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Dies war sicherlich einer der schwärzesten Tage im Leben des Patrioten Andy Marshall. Seine Wut, Trauer und Melancholie darüber flossen dabei bestimmt auch in sein musikalisches Schaffen ein. So gesehen stellte dieses Ereignis für Genre-Fans fast schon einen Glücksfall dar, da daraus fantastische Werke wie Fuaths „I“ und „Guardians“ entstanden.

Hörbeispiele zu Saor: https://saor.bandcamp.com/

geschrieben am 21.09.2016 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 11 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Saor
Northern Silence Productions

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