CD-Review: Sojourner – Empires of Ash

sojourner_empires-of-ashes

[Epic/Atmospheric Black Metal] – Avantgarde Music (2016)
Neuseeland/Schweden
Verträumt, entrückt – und künstlich

Das hunderttausendvierte Cover mit einem zerfallenden Schloss schmückt das Debüt-Album der Neuseeländisch-/Schwedischen Kombo Sojourner, weshalb erst einmal belangloser Kitsch vermutet wird. Dies schwingt jedoch spätestens mit dem Erklingen der Scheibe in angenehme Überraschung um: Das zerfallende Schloss passt erstaunlich gut zu den wunderschön verträumten Melodien, untermalt von traumhaftem Gitarrengewirke, die entführen und entlocken in die Wildnis hinter dem Schloss und in die Tage vor dem Zerfall. Unmittelbar fühlt man sich an die alten Tristania oder an Summoning erinnert, genauso entrückt und mystisch muten die Kompositionen an. Rauer, souveräner Schreigesang dominiert, für richtige Gänsehaut sorgt jedoch die zerbrechliche Stimme von Chloe Bray, besonders schön zu hören im irisch angehauchten ‚The Pale Host‘.

Zwei grosse Minuspunkte birgt die Produktion. Obwohl Chloe Bray anscheinend auch für die Tin Whistles verantwortlich sein soll, kommen diese doch eher vom Computer gespielt daher als von einem Menschen. Das immer gleiche künstliche Vibrato, das fehlende Einatmen und Absetzen lassen stark vermuten, dass es sich hier um Synthie-Flöten handelt, was per se noch nichts schlimmes ist; die Flötenpassagen nehmen aber einen zu grossen und penetranten Anteil der Kompositionen ein und nerven deshalb durch ihre Künstlichkeit zunehmend.

Und leider wurde auch in punkto Drumming zu sehr auf den Computer gesetzt. Die Drum-Sounds sind so dermassen statisch, dass sie den Songs jegliche Dynamik rauben. Leider sind diese Künstlichkeiten so auffällig, dass sie mit zunehmendem Verlauf des Albums kaum mehr ignoriert werden können und all den Zauber, den die Songs in ihren liebevoll komponierten Melodien und epischen Gitarrenwänden bergen, übertünchen.

Schade, dass Sojourner ihren Erstling mit so viel Künstlichkeit anfüllen, denn kompositorisch und atmosphärisch gäbe es absolut nichts zu bemängeln. Bleibt zu hoffen, dass es einen Nachfolger gibt, auf dem dann der Computer einfach weggelassen wird.

Hörbeispiele zu Sojourner: https://sojournermetal.bandcamp.com/

geschrieben am 18.11.2016 von babs@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 9 von 15
Informationen: Sojourner
Avantgarde Music

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