CD-Review: Koenix – Dürs Füür

fuer

[Medieval] – Totentanz Records (2017)
Schweiz
Huldigt Koenix!

Die 2008 als Nebenprojekt der Mittelalterrock-Band Des Koenigs Halunken (R.I.P.) entstandenen Koenix veröffentlichen mit „Dürs Füür“ endlich Album Nummer vier. Der bisherige Rhythmus konnte nicht ganz eingehalten werden und so dauerte es diesmal drei Jahre bis das neue Werk im Mai das Licht der Welt erblickte. Dafür verwöhnt uns das Quintett mit 15 Neukompositionen bei einer sagenhaften Spielzeit von beinahe 75 Minuten!

„Dürs Füür“ („Durchs Feuer“) muss man gemäss Koenix gehen, um ins Land der Sagen und Märchen zu gelangen. Erzählt wird die Geschichte wie die Protagonisten (Koenix selbst) an diesen Ort gelangen, welche Abenteuer sie dort erleben, um schliesslich doch wieder in die Heimat zurückkehren zu wollen. Die Reise wird musikalisch in gewohnter Manier abwechselnd von Songs mit Gesang und Instrumentals begleitet. Inhaltlich gestalten sich diese einmal fröhlich, dann wieder nachdenklich wie z. B. in ‘Es brucht nid meh’ (‘Es braucht nicht mehr’). Ein Track der thematisch stark Saltatio Mortis’ ‘Wachstum über alles’ ähnelt. Überhaupt wird der Hörer aufgrund der gleichermassen genialen wie eingängigen Melodien gelegentlich an die Genrekollegen aus Karlsruhe erinnert.

Besonders hervorzuheben ist das Instrumental ‘Märliland’ (‘Märchenland’). Wer es schafft, eine indische Sitar mit irischen Uilleann Pipes, dem in der schweizerischen Volksmusik verbreiteten Hackbrett sowie treibende Percussion derart gekonnt zu kombinieren, weiss wie man starke Songs schreibt.

An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für diese umtriebigen Eidgenossen brechen. Mag sein, dass ich als Landsmann etwas voreingenommen bin, aber was Koenix seit beinahe einer Dekade an Musik schreiben und veröffentlichen, darf schlicht als herausragend bezeichnet werden. Es stellt sich daher die Frage, weshalb die Helvetier ausserhalb der Landesgrenze kaum prominent sind. In Schweden geniessen die Recken einen gewissen Bekanntheitsgrad, was sicherlich ihren regelmässigen Auftritten an den Medeltidsveckan auf Gotland geschuldet ist. In Deutschland hingegen fristen sie höchstens ein Nischendasein – trotz wiederholten Auftritten auf der MPS-Tour (allerdings hauptsächlich an den südlichen Terminen, bei welchen die Schweizer jeweils mindestens die Hälfte des Publikums ausmachen). An der Qualität liegt es sicherlich nicht – viel eher an der Tatsache, dass das Schweizerdeutsche, in welchem Koenix ihre Songs nach wie vor intonieren, nur schwer verständlich ist. Auf der anderen Seite verleiht dies der Band einen gewissen „Exotenstatus“. Kurzum: kauft euch dieses Album – es handelt sich um den besten Akustik-Mittelalter Release seit langem!

Übrigens, wer sich gerne näher über den Backkatalog von Koenix informieren möchte, findet hier die entsprechenden Reviews: „Us em Gjätt“ (2010), „Vo de Gipfle“ (2012) und „Im Fluss“ (2014).

Hörbeispiele zu Koenix finden Sie unter folgendem Link:

http://www.koenix-band.ch/

geschrieben am 25.07.2017 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 11 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Koenix
Totentanz Records / Al!ve

 

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