CD-Review: Jörmungand – Zwischenwelten

Jörmungand

[Pagan Metal] – Eigenproduktion (2018)
Deutschland
Spannend, abwechslungsreich, vielfältig!

Entlehnt eine Band ihren Namen der germanischen Mythologie (Jörmungand ist die nordische Bezeichnung der Midgardschlange), weckt dies beim Verfasser mittlerweile gewisse Vorbehalte. Zu viele halbgare Veröffentlichungen Methorn schwenkender und Thor brüllender Combos wurden in den letzten Jahren veröffentlicht. Pagan Metal die Drölfzigste also?Mitnichten! Beackerten die Kölner auf ihrem Debüt „Von Wind und Schatten“ (2014) tatsächlich noch eher die herkömmlichen Gefilde des heidnischen Metals, schlägt man anno 2018 sowohl thematisch als auch musikalisch einen anderen Weg ein. Tatsächlich handelt es sich bei „Zwischenwelten“ gar um ein Konzeptalbum, welches sich Michael Endes Werk „Die unendliche Geschichte“ widmet.

Bereits in der Einleitung ‘…und es wird Tag’ zeigt das Quintett, wie abwechslungsreich acht Minuten Musik gestaltet werden können. Symphonische Klänge (die nach einer programmierten Klarinette klingen) führen den Hörer behutsam an den Song heran. Fortan steigert sich dieser durch Einsetzen der E-Gitarren und Drums ehe ca. ab Minute vier tatsächlich von einem Metal-Track gesprochen werden kann. Fortan geben sich Double-Bass und Blast-Beat Attacken die Klinke in die Hand. Die Gitarren bewegen sich zumeist in melodischen Death Gefilden, sägen aber gen Ende hin auch in bester Black Metal Manier. Die symphonischen Elemente sind immerzu präsent und lassen diesen vielversprechenden Auftakt schliesslich ausklingen.

Es würde den Rahmen zweifellos sprengen, jeden einzelnen Song derart eingehend zu beschreiben. Grundsätzlich darf festgehalten werden, dass Jörmungand in allen ihren Songs viel Liebe zum Detail beweisen: Tempi-Wechsel, verschiedenste Gesangselemente wie zweistimmiger Gesang, männliche und weibliche Growls (letztere stammen von Bassistin Nelli und sorgen für ein heimliches Highlight der Scheibe), Schreigesang, Spoken-Words sowie das Springen zwischen den Genres (von klassischer Musik über folkige Einsprengsel bis zu verschiedenen Spielarten des Extreme-Metals lässt sich alles finden) sorgen dafür, dass der geneigte Hörer immerzu aufmerksam horcht. Die Nordrhein-Westfalen scheinen überdies Freunde langer Tracks zu sein. So bringen es die neun Stücke auf eine stolze Spielzeit von insgesamt 65 Minuten. Dies führt allerdings auch dazu, dass „Zwischenwelten“ mehrere Hördurchgänge benötigt, damit auch nur ansatzweise erfasst werden kann, was alles in den Songs passiert. Einziger Kritikpunkt: die Songs wirken insgesamt etwas sperrig. Hier und da hätte ein Tick Eingängigkeit (z. B. in Form eines wiederkehrenden Themas) nicht geschadet.

Derzeit scheinen Jörmungand etwas vom Pech verfolgt zu sein. Kürzlich verliessen gleich zwei Mitglieder (Drums und Gitarre) die Band. Da bleibt nur zu hoffen, dass baldmöglichst gleichwertiger Ersatz gefunden wird. Denn: hier ist etwas Grosses am Entstehen!

Erscheinungstermin: 16. März 2018 als CD und in digitaler Form.

Hörbeispiele zu Jörmungand finden Sie unter folgendem Link:
https://joermungand.bandcamp.com/music

geschrieben am 12.03.2018 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Jörmungand
Eigenproduktion

 

 

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