CD-Review: Majesty of Silence – Zu dunkel für das Licht

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[Symphonic Black Metal] – Extreme Metal Music / Rockshots Records (2018)
Schweiz
Zurück aus der Finsternis!

Majesty of Silence (M.O.S.) wurden 1996 als Trio gegründet und veröffentlichten zwischen 1999 und 2006 insgesamt drei Alben. Zwischenzeitlich wurde ein Keyboarder als viertes Bandmitglied aufgenommen. Dieser quittierte seinen Dienst Ende der Nullerjahre jedoch ebenso wie Drummer und Gründungsmitglied Peter Papadimitriya. Daraufhin herrschte zwischen 2010 und 2016 Funkstille, ehe die verbliebenen Mitgründer Peter Mahler und Christian Geissmann (Proxima, Dreams in Fragments) M.O.S. als Duo wiederbelebten.

Wie das Label bei der Einordnung des Genres auf Atmospheric Black Metal kam, wird wohl dessen Geheimnis bleiben. Bewegten sich die Schweizer in ihren Anfangstagen noch im Bereich des düsteren Gothic Metals, so machte sich im Laufe der Jahre eine immer grösser werdende Begeisterung für Blast-Beats bemerkbar. Anno 2018 bleiben die Aargauer dieser Entwicklung treu und veröffentlichen mit „Zu dunkel für das Licht“ ihr bislang düsterstes Album.

Dass dabei Cradle of Filth und Dimmu Borgir als Hauptinspirationsquellen der beiden Protagonisten auszumachen sind, erstaunt aufgrund der Bandgeschichte nicht wirklich. Der Einfluss der Briten liegt jedoch definitiv nicht beim Gesang. Vielmehr sind es die Gothic-Anleihen, welche auch heute noch gelegentlich im M.O.S.-Soundkosmos auftauchen. Die Kombination aus symphonischen Passagen mit Blast Beats und sägenden Gitarrenriffs wiederum haben die Norweger seit Jahren perfektioniert. Dass man diese Mischung auch in der Schweiz gut umzusetzen vermag, wird auf „Zu dunkel für das Licht“ mehrfach bewiesen.

M.O.S. bedienen sich mittlerweile ausschliesslich der deutschen Sprache und geben sich dabei durchaus gesellschaftskritisch (bestes Beispiel: ‚Endstille‘). Es wird in bester Schwarzwurzelmanier gekeift und gefaucht, opernhafter Klargesang von Gastsängerin Seraina Schöpfer (Dreams in Fragments) sorgt dagegen immer wieder für einen spannenden Kontrast (und schlägt damit die True Black Metal Fraktion endgültig in die Flucht). Darüber hinaus kommen als weiteres Stilelement auch (weibliche wie männliche) Spoken Words zum Einsatz. Diese holpern zwar hie und da etwas, werden dafür aber mit einem leichten, äusserst charmanten Schweizerischen Akzent dargebracht.

In Bezug auf das Songwriting ist das Duo sichtlich bemüht, sich nicht zu wiederholen. Herausgekommen ist daher ein abwechslungsreiches Werk, welches insgesamt 13 Songs mit einer Spielzeit von sage und schreibe 75 Minuten umfasst. Diese benötigen unbedingt mehrere Hördurchgänge, weil es immer wieder neue Einzelheiten zu entdecken gibt. Zwei Tracks sind besonders hervorzuheben: ‚Dem Engel noch zuhören‘ (der Titel lässt sich übrigens – passend zu den Lyrics – mit Demenz abkürzen) wegen seines düster-schönen Klavierthemas und ‚Klangfeind – Neuzeithasser‘ aufgrund des unerwarteten Trinklied-Outros.

Der 14. und letzte „Track“ ist mit ‚Stille‘ betitelt und beinhaltet – welch Überraschung – genau ebensolche. Einen Spass, welchen sich M.O.S seit ihrem Debütalbum erlauben.

Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben, dass bei M.O.S. derzeit kein Drummer im Line-up vertreten ist. Quintessenz daraus ist die Verwendung eines Drum-Computers. Obwohl dieser gut programmiert ist, übertreiben es M.O.S. insbesondere mit dem Einsatz von Blast Beats. Diese ballern teilweise in der Geschwindigkeit von Maschinengewehr-Salven aus den Boxen und wirken dadurch ziemlich klinisch, ja teilweise gar technoid. Abgesehen davon gibt es produktionstechnisch nichts zu meckern.

Welcome back!

Das Album erschien am 25. Mai 2018 und wird dringendst zum Anhören empfohlen.

Hörbeispiele zu Majesty of Silence finden Sie unter folgendem Link:
https://www.facebook.com/Mosmetalband/

geschrieben am 28.05.2018 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Majesty of Silence
Extreme Metal Music / Rockshots Records

 

 

 

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