CD-Review: Nebelhorn – Urgewalt

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[Viking Metal] – Eigenproduktion (2018)
Deutschland
Endlich zurück!

Es ist an der Zeit, eine Lanze für ein massiv unterschätztes Viking Metal Projekt zu brechen! Die Rede ist von Nebelhorn, die Ein-Mann-Band des Idealisten Wieland. 2004 gegründet, veröffentlichte dieser noch im selben Jahr die EP „Utgard“. Ein Jahr später folgte das Debüt „Gen Helwegs Grund“. Bereits 2007 wurde das Zweitwerk „Fjordland Sagas“ nachgereicht. Nun, über ein Jahrzehnt und zwei Crowdfunding Aktionen später, erscheint mit „Urgewalt“ endlich das dritte vollwertige Album.

Den Auftakt macht das Intro ‘Auf Bifrösts Rücken’, welches von niemand geringerem als Carach Angren Keyboarder Clemens Wijers (auch bekannt für seine orchestralen Arrangements u. a. bei Lindemann, Pain und Ex Deo) mitkomponiert wurde.

Es folgt ein nahtloser Übergang zum Titeltrack. Ein gelungener Viking Metal Song, bei welchem gelegentliche Synthiepassagen für eine Prise Epik sorgen. Stimmlich bietet Wieland verständliches Geshoute in den Strophen sowie cleanen Chorgesang im Refrain.

‘Ägirs Zorn’ weiss insbesondere durch spannendes Drumming zu überzeugen und bricht auch schon mal in kurze Knüppelorgien aus. Passend zum Titel „Die wilde Jagd“ geht es im Uptempo weiter. Aber auch hier werden wiederum epische Momente eingebaut. ‘Muspellheim’ wirkt etwas ideenlos, hinkt daher infolge mangelndem Abwechslungsreichtum dem bisher Gebotenen leicht hinterher und vermag somit nicht restlos zu überzeugen.

Die meisten Acts haben nach Albumhälfte ihr Pulver verschossen. Nicht so Nebelhorn! Je länger das Werk dauert, desto stärker werden die Songs. Ab ‘Auf neue Lande’ (Track Nr. 6) spielt Wieland sein songwriterisches Können erst so richtig aus: regelmässige Tempowechsel, eingestreute Akustikgitarren, Spoken Word Passagen – Wikingerherz, was willst du mehr? In ‘Funkenflug’ ertönt plötzlich gar eine mit (echter!) Querflöte eingespielte Folksweise, die unweigerlich etwas an Adorned Brood (sind die eigentlich noch aktiv?) erinnert. Mit ‘Freyhall’, einem symphonisch-bombastischen Instrumental mit dezentem Dimmu Borgir Einschlag und neuerlichem Querflöteneinsatz, lässt man „Urgewalt“ schliesslich gekonnt ausklingen.

Mit Patrick konnte erfreulicherweise ein Trommler aus Fleisch und Blut als Session Musiker gewonnen werden. Die Wahl war naheliegend, handelt es sich doch um den Inhaber der Tidal Wave Studios (wo u. a. auch Falkenbach wiederholt zu Gast waren), in welchen das Album aufgenommen und gemischt wurde. Gerade die Drums hätten aber gerne etwas druckvoller gemixt werden dürfen. Abgesehen davon, fiel die Produktion jedoch einwandfrei aus.

Möglicherweise der fehlenden Live-Tätigkeit und/oder der Verbreitungsmöglichkeit eines Labels geschuldet, erhielt Nebelhorn trotz starker Veröffentlichungen selbst in der Hochzeit des Pagan/Viking Metals nie jene Beachtung, welche ihm aus qualitativer Sicht zugestanden hätte. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies mit „Urgewalt“ ändert. Obwohl die Zeiten dafür alles andere als rosig sind…

„Urgewalt“, wie auch der ebenfalls uneingeschränkt empfehlenswerte Backkatalog, kann direkt bei Wieland unter https://www.nebelhorn-vikingmetal.de/de/12-shop bezogen werden. Greift zu, damit wir in Zukunft weitere Alben von Nebelhorn geniessen dürfen!

Hörbeispiele zu Nebelhorn:
https://www.nebelhorn-vikingmetal.de/de/content/7-diskografie

geschrieben am 19.06.2018 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Nebelhorn
Eigenproduktion

 

 

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