CD-Review: Rabenwolf – …zu Staub

Rabenwolf

[Folk / Black Metal] – Eigenproduktion (2019)
Deutschland
Unverhofft kommt oft!

Lange Zeit war es ruhig rund um Rabenwolf. Nach dem Debütalbum „Aus alten Zeiten“ (2011) wurde 2015 die „Stethu“ – EP nachgereicht. Seither gab es ausser gelegentlichen Gigs (so z. B. anlässlich des Ragnarök Festivals 2016) keinerlei Neuigkeiten von den Nordlichtern. Bis vor kurzem, quasi aus dem Nichts, die Meldung eintraf, dass am 1. Februar 2019 mit „…zu Staub“ endlich das zweite vollwertige Album veröffentlicht werden soll.

Nach über einer Dekade des Bestehens zelebriert das Septett aus dem Grossraum Hamburg nach wie vor eine Mischung aus Folk und Black Metal. Auf dem neuen Output wurde dabei der Härtegrad etwas gesteigert und auch Einflüsse aus anderen Spielarten des Extremen Metals integriert. Folk-Anleihen sind aber nach wie vor fester Bestandteil des rabenwolfschen Soundkosmos: Skadias Flöte erklingt in beinahe sämtlichen Tracks, darüber hinaus werden wiederholt (synthetische) Akkordeon Klänge, Akustikgitarren oder auch Humppa-Elemente (bei ‚Heimkehr‘) eingebaut.

Der Titel ‚Im Herzen die See‘ erklärt den Inhalt eigentlich von selbst. Umso erstaunlicher, dass hier plötzlich ein eher seemanns-untypisches Banjo und ein an Ensiferums ‚Stone Cold Metal‘ erinnerndes Western-Zwischenspiel erklingt. Bei ‚Hammonia Metal’ („Hammonia“ ist die neulateinische Bezeichnung für Hamburg) handelt es sich um ein Cover der ebenfalls – wen wunderts – aus der Hansestadt stammenden Garleben, bei welchen Gitarrist Æringi früher aktiv war.

Die Texte sind ausnahmslos in der deutschen Muttersprache gehalten und werden zumeist in Form von scharzmetallischem Geschrei dargebracht. Zur Auflockerung kommen gelegentlich auch Clean-Vocals und Spoken-Words zum Einsatz. Inhaltlich hat man sich von Themen der nordischen Mythologie abgewendet. Dies erklärt auch, weshalb das frühere Runenlogo zugunsten eines besser lesbaren Band-Schriftzuges ersetzt wurde.

Produktionstechnisch muss beanstandet werden, dass die Drums (insbesondere die Tiefen – sprich die Bass-Drum) zu stark hinter den anderen Instrumenten verschwinden. Hier fehlt definitiv etwas „Wumms“. Der E-Bass erhält zwar mitunter durchaus Aufmerksamkeit (wie stellenweise im Song ‚Ungesicht’), fristet zumeist aber ebenfalls ein Dasein im (wenig hörbaren) Hintergrund. Das Folkinstrumentarium wiederum wurde angemessen abgemischt, so kommt beispielsweise der Flöte eine eher begleitende (und nicht penetrant im Vordergrund dudelnde) Rolle zu.

Rabenwolf bieten auf „…zu Staub“ abwechslungsreiches Liedgut verteilt auf elf Tracks inkl. Intro mit einer Spielzeit von beinahe einer Stunde. Stilistisch haben sich die Sieben weiterentwickelt, ohne dabei die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Kurzum: ein Album, das schlicht Freude bereitet. Willkommen zurück!

Hörbeispiele zu Rabenwolf gibt es unter folgendem Link:
https://rabenwolf.bandcamp.com/releases

geschrieben am 04.12.2018 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Rabenwolf
Eigenproduktion

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