Interview XIV Dark Centuries

Am 28. Februar 2020 veröffentlichen XIV Dark Centuries nach über acht Jahren ihr neues, nunmehr viertes Studioalbum „Waldvolk“. Bei uns im Review konnte das Werk der Thüringer überzeugen. Grund genug, um bei den Pagan Metallern für ein Interview anzuklopfen. Unseren Fragen stellten sich Drummer Manu (seit 2017 bei XIV D. C.) und Gitarrist Uwe (seit 2002, mit einer Auszeit zwischen 2015 und 2017).

XIV DC Band Photo 2019

© XIV Dark Centuries

Folkmetal.at: Herzlichen Glückwunsch zum sehr starken neuen Album „Waldvolk“. Seit dem Vorgänger „Gizit dar Faida“ sind über acht Jahre ins Land gezogen. Was hat euch so lange aufgehalten?

Manu: 2018 standen uns einige organisatorische wie auch private Dinge im Weg, die wir damals noch nicht absehen konnten. So war es uns leider nicht möglich, das Album zum eigentlichen gedachten Termin zufriedenstellend fertig zu stellen.

Uwe: Danke. Seit der „Gizit…“ ist viel passiert. Zum einen gab es mehrere Besetzungswechsel. Die beiden «alten» Gitarristen sind nun wieder dabei, und Manu spielt jetzt bei uns Schlagzeug. In der Besetzung proben wir seit ca. 2017. Wir fingen dann an, unsere Songs zu proben, das Liveset zusammenzustellen, neue Songs schreiben, Lieder aufzunehmen, zu produzieren usw. usf. Dazu kam dann noch das private und berufliche Leben. Das kostet natürlich alles seine Zeit. Und so ziehen die Jahre an dir vorüber. Aber gut, das Album ist jetzt fertig und wir sind sehr zufrieden damit.

Folkmetal.at: Wie seid ihr bisher mit den Reaktionen auf „Waldvolk“ zufrieden? Wie war das Feedback aufs Album?

Uwe: Bis jetzt gab es größtenteils positive Reaktionen. Natürlich ist auch mal ein Review dabei, was nicht so gut ist. Aber generell wird das Album sehr positiv wahrgenommen. Das freut uns natürlich und belohnt uns für die ganzen Anstrengungen und Mühen, die in dem Album stecken.

Folkmetal.at: In der Folge konfrontieren wir euch mit drei Aussagen, wie wir „Waldvolk“ im direkten Vergleich zum Vorgänger wahrgenommen haben. Bitte bestätigt bzw. widerlegt diese und kommentiert unsere Behauptungen:

  • „Waldvolk“ weist eine höhere Geschwindigkeit und damit einen etwas gesteigerten Härtegrad als „Gizit dar Faida“ auf.

Manu: „Waldvolk“ hat sicherlich einige schnellere Songs als „Gizit Dar Faida“. Ob sich jetzt dadurch der „Härtegrad“ steigert ist fraglich. Da spielen wohl viel mehr Dinge zusammen wie z. B. die Spielweise selbst, oder der Sound bzw. die Produktion. Die Entscheidung, ob es aber tatsächlich härter ist, möchte ich dem Hörer überlassen.

Uwe: Nun, etwas schneller sind wir teilweise schon geworden. Es sind jedoch auch einige getragene Stücke darauf zu finden, z.B. ‚Firratan‘ oder ‚Ich bin das Feuer‘. Der Härtegrad resultiert aber eher aus anderen Dingen, wie Manu schon anmerkte.

  • Die Song-Arrangements auf „Waldvolk“ sind vielfältiger und abwechslungsreicher.

Manu: Als jemand, der „Gizit Dar Faida“ noch als Hörer und nicht als Bandmitglied kennt, stimme ich der Aussage zu.

Uwe: Und als jemand, der „Gizit Dar Faida“ mit eingespielt hat, stimme ich der Aussage auch zu. Dass unserer Gitarrist Tobalt wieder in der Band ist, hat natürlich einen großen Einfluß auf das Album. Er hat damals schon die meisten Stücke komponiert und arrangiert und tut dies auch heute wieder. Und wir haben natürlich seit dem auch mehr Erfahrung gesammelt, man entwickelt irgendwann ein Gespür, ob ein Song gut funktioniert oder ob noch etwas geändert werden muß. Das ist einer der Vorteile, wenn man sich schon seit 20 Jahren kennt und gemeinsam Musik macht.

  • Die Produktion von „Waldvolk“ ist druckvoller und differenzierter ausgefallen, als jene des direkten Vorgängers.

Manu: Ja, dem stimme ich zu. Dies ist aber auch sicherlich dem technischen Fortschritt und natürlich auch den Kenntnissen zu verdanken, die durch langjährige Erfahrung erworben wurden.

Uwe: Dem stimme ich auch zu. Unsere Alben sind ja schon immer Eigenproduktionen gewesen. Unser Sänger Michel hat natürlich in den letzten 20 Jahren sehr viel dazugelernt. Mit „Waldvolk“ hat er meines Erachtens ein kleines Meisterstück produziert. Man muß ja immer bedenken, daß die ganze Produktion neben unserer Arbeit und dem Familienleben stattfand, also in dem kleinen Teil Freizeit, den man so übrig hat. Und andererseits haben sich natürlich die technischen Möglichkeiten enorm verändert. Hattest du beispielsweise früher ein Problem bei der Aufnahme, musstest du meist improvisieren und dir etwas einfallen lassen. Heute bestellst du dir einfach das benötigte Equipment, man findet eigentlich immer etwas gutes für einen günstigen Preis.

XIV Dark Centuries

© XIV Dark Centuries

Folkmetal.at: Wie darf man sich den Kompositions- bzw. Arbeitsprozess bei XIV Dark Centuries vorstellen? Wie sieht die Aufteilung zwischen den verschiedenen Bandmitglieder aus?

Manu: Das ist wohl gar nicht so einfach zu beantworten: Wir arbeiten tatsächlich sehr viel mit dem Rechner, da uns die räumliche Distanz unserer Wohnorte, als auch Verpflichtungen in der Arbeit und auch privat, oft nicht viel Zeit lassen, abgesehen von spontanen Ideen, Songs von Anfang bis Ende klassisch im Proberaum zu komponieren. Wenn ein Mitglied der Band eine gute Idee hat, wird diese zuhause aufgenommen, weitergeschickt, modifiziert und verfeinert, bis wir letztendlich im Proberaum an den Feinheiten arbeiten können.

„Waldvolk“ ist in einer sehr langen Zeitspanne entstanden. Die meisten Texte werden von Michel geschrieben. Aber auch Tobalt hatte darauf Einfluss. Die restlichen Bandmitglieder konzentrieren sich eher auf den instrumentalen Part. Bei „Waldvolk“ war es so, dass jedes Bandmitglied auf die instrumentalen Kompositionen Einfluss hatte. Tobalt hat wohl einen großen Teil an Ideen beigetragen. Aber auch unsere ehemaligen Bandkameraden Rüd, Richy und Roman, mit denen wir nach wie vor befreundet sind, hatten noch Einfluss bei einigen Stücken. Ich selbst kam 2017 dazu und konnte auch einige Ideen einbringen.

Folkmetal.at: Woher bezieht ihr eure Inspiration, um neue Songs zu schreiben? Benötigt ihr eine bestimmte Umgebung, damit ihr künstlerisch tätig sein könnt?

Manu: Mir selbst kommen Ideen spontan und geistern manchmal Tage lang im Kopf herum, bis ich sie aufnehme und sie den anderen Bandmitgliedern vorstelle. Meine Inspirationsquelle ist aber oft die Natur.

Uwe: Woher die Inspiration kommt, ist schwierig zu beantworten. Da spielen die persönlichen Interessen ein große Rolle, sei es draußen in der Natur zu sein, die Beschäftigung mit unserer germanischen Geschichte, Bands die uns beeinflusst haben usw. Die Melodie zu ‚Skogafulka‘ kam unserem Tobalt beispielsweise beim Schwertkampf, wenn ich mich nicht irre. Das Riff bei ‚Zeit der Rache‘ (auf der Gizit…) entstand, weil wir im Proberaum eine Aufnahme getestet hatten. Da hieß es nur «spiele bitte mal kurz etwas an», und plötzlich war das Riff drauf. Das hat uns gefallen und daraus wurde dann das Lied.

Unter einer bestimmten Umgebung verstehe ich, daß alle gut drauf sind, niemand unter Stress/Ärger o.ä. steht und alle gut miteinander auskommen. Das ist bei uns meistens der Fall. Und wenn es mal nicht der Fall ist, dann bringt es nichts, sich selber noch unter Druck zu setzen. Solange es z.B. noch Spaß macht zur Probe zu fahren, ist alles in Ordnung. Diese Umgebung ist vollkommen ausreichend.

Folkmetal.at: Gab es vor dem eigentlichen Songschreiben textlich und/oder musikalisch eine bestimmte Thematik bzw. Richtung, welche ihr einschlagen wolltet?

Uwe: Auf vielen Pagan-Metal-Alben werden die Götter, Schlachten und die Edda behandelt. Bei „Waldvolk“ waren wir uns von Anfang an einig, daß wir etwas anderes machen wollten, ohne jedoch die gesamte Thematik aus dem Auge zu verlieren. Irgendwann wird es eben auch langweilig, immer und immer wieder die gleichen Geschichten zu erzählen. Durch die drei bereits bekannten und neu eingespielten Lieder verliert das Album nicht den Bezug zum typischen Pagan-Metal. Die neuen Lieder erzählen jedoch nicht die typischen Pagangeschichten. Wir sehen „Waldvolk“ als eine Hommage an unsere Vorfahren, die seit vielen Generationen in unserem schönen Thüringer Wald leben. Ein zentrales Thema wie auf dem Album „Skithingi“ gibt es jedoch nicht.

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Folkmetal.at: Sind Tour-Aktivitäten zur Promotion des neuen Albums geplant? Wie stehen die Chancen, dass man euch demnächst wieder einmal ausserhalb Deutschlands live on Stage erleben kann?

Uwe: Eine Tour zum Album wird es nicht geben. Das ist zur Zeit aus beruflichen und privaten Gründen nicht möglich. Wir spielen dieses Jahr auf dem Ragnarök Festival in Lichtenfels und auf dem Equinox Rite Festival in Kell am See. Dazu gibt es Planungen, im Herbst mit einer bekannteren Band eine Art Wochenendtour über mehrere Wochenenden zu spielen. Es ist aber noch nichts bestätigt, deshalb kann ich da nichts weiter dazu sagen. Wir werden auf jeden Fall noch öfters live zu erleben sein. Außerhalb Deutschlands würden wir natürlich auch gerne mal wieder spielen, z.Z. liegen jedoch keine speziellen Anfragen vor. Vielleicht ändert sich das ja mit unserem neuen Album.

Folkmetal.at: Thüringen weist eine äusserst vielfältig Pagan Metal Szene auf. Nebst euch sind hier insbesondere Menhir, Odroerir, Gernotshagen, Surturs Lohe und Fimbulvet zu nennen. Was sind eurer Meinung nach die Gründe, dass heidnischer Metal gerade in dieser Region Deutschlands einen derart hohen Stellenwert geniesst?

Uwe: Als wir vor 20 Jahren anfingen Musik zu machen, gab es noch nicht so viele Pagan-Metal Bands. Menhir waren da sicherlich ein Vorbild für andere. Die Szene hier ist ja auch nicht so riesig. Man kennt sich, man trifft sich immer mal auf Konzerten und so kommt eins zum anderen. Aber es gibt ja genug Pagan-Bands, die nicht aus Südthüringen stammen, von daher empfinde ich es gar nicht so, daß das mit dem hohen Stellenwert zutreffend ist.

Folkmetal.at: Da wir davon ausgehen, dass ihr nicht von der Musik leben könnt: Was macht ihr beruflich?

Manu: Ich bin Heilerziehungspfleger und arbeite derzeit mit Kindern und Jugendlichen in einer stationären Einrichtung.

Uwe: Michel ist Software Entwickler. Marley arbeitet als Produktmanager. Tobi ist Industriemechaniker und Tobalt und ich sind Wirtschaftsingenieure.

Folkmetal.at: Welches sind eure Lieblings-Freizeitbeschäftigungen, wenn ihr euch nicht gerade mit Bandaktivitäten befasst?

Manu: Neben dem Beruf, der Familie und der Musik bleibt nicht mehr allzu viel Zeit für weitere größere Hobbies. Wenn doch etwas Zeit bleibt, beschäftige ich mich mit kleineren Projekten am Rechner, gehe gerne in die Natur, spiele auch mal ein Videospiel oder sehe einen Film an, also nichts Besonderes. Grundsätzlich bin ich an vielen Dingen interessiert.

Uwe: Das sieht wohl bei jedem von uns ähnlich aus. Da ist von Wandern und Bergwandern, Rad und Motorrad fahren, ein paar Computerspiele, Lesen usw. alles dabei. Ich spiele noch mit ein paar Freunden in einer Rockband und bin im Sommer viel in meiner Gartenhütte anzutreffen.

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Folkmetal.at: Wie seid ihr zur Metal-Szene gekommen? Welche Bands waren am prägendsten für euch?

Manu: Ich höre bereits Metal, seit dem ich ca 7 Jahre alt war. Ich entdeckte ein Lied von Alice Cooper auf einer Kassette meines Vaters. So kam eines zum anderen. Es gab wohl so viele Bands, die mich im Laufe meines Lebens beeinflusst haben, das es zu viel wäre sie alle hier zu nennen. Ein Großteil wäre aber wohl dem Death Metal zuzuordnen.

Uwe: Zum Metal bin ich durch meinen großen Bruder gekommen. Beeinflusst haben mich vor allem Bands aus den späten 80ern/Anfang 90ern Jahren. Iron Maiden, Accept, Destruction, Metallica und wie sie alle heißen. Es sind wirklich zu viele Bands, um sie aufzuzählen. Als 1990 die „Hammerheart“ von Bathory rauskam, hatte das sicherlich auch einen großen Einfluß auf mich. Es gab später noch viele andere Bands die mich beeindruckten, beispielsweise In Flames oder Wintersun. Aber prägen konnten die einen nicht mehr, dafür war es zu spät. Es gibt außerdem noch andere Bands außerhalb des Metals, die ich sehr gerne hören, beispielsweise Nick Cave. Aber ich kann da nur für mich sprechen. Unser Michel ist z.B. eher vom Black Metal beeinflußt, Tobalt und Marley mögen das auch. So hat eben jeder seinen eigenen Geschmack.

Folkmetal.at: Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Gibt es allenfalls bereits Ideen für ein weiteres Album?

Manu: Erste Noten kann man bereits in den pfeifenden Winden des Thüringer Waldes erahnen.…

Uwe: Wir wollen auf jeden Fall weiterhin Alben produzieren. Wir nehmen uns ja immer vor, beim nächsten Album nicht so viel Zeit verstreichen zu lassen. Material für neue Lieder ist jedenfalls genug vorhanden, es muß eigentlich nur noch arrangiert, geprobt, eingespielt und produziert werden 🙂 Acht Jahre wird es bis zum nächsten Album hoffentlich nicht dauern.

Herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unsere Fragen zu beantworten. Wir freuen uns, euch am heurigen Ragnarök Festival endlich wieder einmal live erleben zu können!

Uwe: Danke für das Interview. Dann bis bald in Lichtenfels.

Das Interview wurde geführt von Wallace.

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