CD-Review: Dzö-nga – Thunder in the Mountains

Artwork

[Atmospheric Black Metal] – Avantgarde Music (2020)
USA
Genre-Potpourri!

Dzö-nga lautet der Name eines Kryptiden (ein Lebewesen, von dessen Existenz es lediglich zweifelhafte Belege gibt, wie z. B. Nessie), welcher angeblich am Kangchendzönga im Himalayagebirge herumgeistert. Die dahinterstehende Band stammt jedoch aus einer ganz anderen Region, nämlich Boston, Massachusetts.

Wahlweise werden Dzö-nga unter dem Label Atmospheric Black Metal, Folk Black Metal oder Melodic Black Metal angepriesen und als Referenzbands Saor und Sojourner genannt. Und ja, hie und da sind zweifellos Schwarzmetall-Elemente (Blast-Beat, Double-Bass, Harschgesang) vorhanden. Letztlich führen diese Genre-Bezeichnungen aber tendenziell in die Irre: Der Extreme-Metal Anteil auf „Thunder in the Mountains“ ist gering, weswegen das Album bei Black Metal Fans kaum auf Gegenliebe stossen wird.

Zugegebenermassen fällt dem Verfasser dieser Zeilen auch kein wirklich passendes Korsett ein, in welches man Dzö-nga zwängen könnte. Aber braucht man ein solches auch wirklich immer? Tatsache ist, dass die Amerikaner auf ihrem Drittwerk viel weiblichen und männlichen Klargesang, Folkanleihen und Symphonisches mit verschiedenen Spielarten des Heavy Metals vermengen, was ihnen mehr als ordentlich gelingt. Das Album weist einen roten Faden auf, ist nachvollziehbar und die Arrangements sind teilweise schlicht genial. Überdies weiss „Thunder in the Mountains“ aufgrund der zahlreich eingesetzten Instrumente und Stilelemente durch grosses Abwechslungsreichtum zu punkten.

Nervig hingegen ist der vom Synthie erzeugte, eine Panflöte imitierende Sound, welcher sich durch das ganze Opus zieht. Dies, wie auch gewisse Pianopassagen, sorgen dafür, dass das Werk phasenweise fast schon überladen bis hin zu kitschig klingt.

Inhaltlich handelt „Thunder in the Mountains“ von Henry Wadsworth Longfellows Epos „Das Lied von Hiawatha“, in welchem es um den Native American Hiawatha (einen legendären Häuptling aus dem 16. Jahrhundert) geht.

Aufgenommen wurde das Werk auf einer Farm in Connecticut, gemixt von Øystein G. Brun (Borknagar) im Crosound Studio und gemastert von niemand geringerem als Dan Swanö im Unisound Studio. Diese Namen sind Garant für eine saubere Produktion, bei welcher alle Instrumente optimal in Szene gesetzt wurden.

Fazit: letztlich hinterlässt „Thunder in the Mountains“ einen zwiespältigen Eindruck. Kompositorisch grandios, jedoch mit einem gewissen Hang zum Schwulst.

Hörbeispiele zu Dzö-nga gibt es unter folgendem Link:
https://dzo-nga.bandcamp.com/

geschrieben am 09.03.2020 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Dzö-nga
Avantgarde Music

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