CD-Review: Vvilderness – Dark Waters

Vvilderness

[Post Black Metal] – Casus Belli Musica / Beverina Productions (2020)
Ungarn
Zweiter Streich!

Gut zwei Jahre nach „Devour the Sun“ meldet sich Einzelkämpfer Vvilder mit seinem Zweitwerk „Dark Waters“ zurück. In der Zwischenzeit hat der umtriebige Ungare überdies mit seinem Nebenprojekt Realm of Wolves Musik veröffentlicht.

Als „Black metal for people who don’t like black metal“ bezeichnet Ferenc Kapiller, wie Vvilder mit bürgerlichem Namen heisst, den Stil von Vvilderness. Nun, eine gewisse Affinität zu Schwarzmetall sollte die geneigte Hörerschaft schon aufweisen. Ansonsten wird diese mit Vvilderness kaum warm werden. Die trve Black Metal Fraktion wiederum bevorzugt zweifelsohne ein norwegisches Low-Fi Mono Tape von Anfang der 90er. Wer jedoch Alcest, Lantlôs, Les Discrets oder artverwandte Acts, welche Shoegaze / Blackgaze mit (Post-)Black Metal vermischen, mag, der wird an diesem Projekt seine helle Freude haben.

Musikalisch macht Vvilderness ziemlich genau da weiter, wo „Devour the Sun“ aufgehört hat. Der Titeltrack startet gar lieblich mit Akustikgitarre und weiblicher Stimme. Letztere wurde von einer gewissen Kazumi eingesungen und stellt eine Neuerung im Vergleich zum Vorgänger dar. Erst nach beinahe drei Minuten setzt das erste Schwarzmetallgewitter mit den für Vvilderness typischen flirrenden Gitarren und Vvilders Harschgesang ein.

ꞌDanu’s Tearsꞌ startet ebenfalls mit akustischen Gitarren, schwenkt dann aber bedeutend rascher in Richtung Black Metal um und wechselt in der Folge gekonnt zwischen diesen beiden Stilelementen hin und her. ‚Mist Pillars ꞌ19‘ wurde ursprünglich 2014 vom vorangehenden Projekt Vvilders (Release the Longships) auf dessen Album „Wilderness“ veröffentlicht und für „Dark Waters“ neu mit Vocals aufgenommen.

ꞌIt Comes with the Rainꞌ ist ähnlich aufgebaut wie ꞌDanu’s Tearsꞌ zuvor. Die Hauptmelodie von ‚Havasok / Snowy Mountains‘ stammt vom ungarischen Komponisten Kálmán Mihalik (1896–1922). Der Track enthält von einem Sampler erzeugte Uilleann Pipes, welche erstaunlich nach einem echten Instrument klingen. Beim Rausschmeisser ꞌWildernessꞌ handelt es sich um ein sphärisches Instrumental, das zum Auftakt stark nach Sólstafir klingt und in welchem die zuvor erwähnten Uilleann Pipes Sounds neuerlich eingesetzt werden. Diese verleihen dem Song einen folkig-melancholischen Touch.

Nach lediglich sechs Nummern und einer Spielzeit von knapp 38 Minuten ist der Zauber leider schon vorbei. An das sehr starke „Devour the Sun“ kommt das neue Album nicht ganz heran. Die Riffs und Songstrukturen des Vorgängers waren etwas zwingender und insgesamt passiert auf „Dark Waters“ im direkten Vergleich zu wenig Neues. Nichtsdestotrotz handelt es sich auch hier um ein überdurchschnittlich gutes Werk, welches unbedingt gehört werden muss!

„Dark Waters“ erschien am 10.01.2020 in digitaler Form. Anfang Februar wurde das Album als Kassette veröffentlicht, welche bereits restlos ausverkauft ist. Im Juni folgt die limitierte Vinyl LP in diversen Formaten über Casus Belli Musica / Beverina Productions und früher oder später wird wohl auch noch eine CD-Version nachgereicht.

Die Artworks kreiert Vvilder übrigens selbst. Der Herr schreibt nämlich nicht nur geniale Musik, sondern ist auch als grafischer Künstler tätig. Überzeugt euch selbst, z. B. unter http://kapiller.com/ oder folgt seinem Instagram-Account @vvildr.

Hörbeispiele zu Vvilderness gibt es unter folgendem Link:

https://vvilderness.bandcamp.com/

geschrieben am 25.03.2020 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Vvilderness
Casus Belli Musica / Beverina Productions

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