CD-Review: Gloosh – Timewheel

cover

[Black Metal] – Casus Belli Musica / Beverina Productions (2020)
Russland
Sibirische Schwarzmetall-Kunst!

Aus dem sibirischen Krasnojarsk stammt George Gabrielyan, welcher seit letztem Jahr unter dem Namen Gloosh (bedeutet übersetzt in etwa „Wildnis“) in Alleinherrschaft ein Black Metal Projekt unterhält. Mit „Timewheel“ legt uns der Einzelkämpfer nun sein Debütalbum vor.

Das Werk enthält sechs Tracks und weist eine Spielzeit von 45 Minuten auf. Eigentlich passiert in den Songs gar nicht allzu viel: Das Lead-Riff wird innerhalb desselben Songs zigmal wiederholt, zwischendurch mit Harsh-Vocals (welche ausnahmslos in der russischen Muttersprache intoniert werden) aufgelockert, gelegentlich variiert Gloosh auch mal die Gitarrenarbeit oder das Tempo. Die Riffs sind dabei eingängig (ꞌVjkhrꞌ beispielsweise glänzt mit einem Killerriff) und irgendwie schafft es Gloosh trotz der Songlänge (die Tracks bewegen sich im Bereich von fünfeinhalb bis acht Minuten) die Spannung grösstenteils aufrecht zu halten. Nur vereinzelt wäre der Verzicht auf die eine oder andere Zusatzschlaufe songdienlicher gewesen.

Der Track ꞌGrozaꞌ könnte auch von Arkona stammen. Gemeint sind natürlich deren epischere Momente, Gloosh ist meilenweit vom teilweise sehr tanzbaren Folkmetal seiner Landsleute entfernt. Die Stimme von Masha „Scream“ Arkhipova würde hier perfekt zum Song passen. Wenn George die E-Gitarre unverzerrt spielt, keimen auch Assoziationen zu Immortal auf (besonders in ꞌSamsaraꞌ). Das akustische Outro es Titeltracks, wie auch gewisse atmosphärische Riffs erinnern wiederum an Darkestrah, welche ja ursprünglich aus Kirgistan stammen, was nicht allzu weit von Sibirien entfernt liegt.

Beachtlich ist, dass George alles alleine eingespielt hat. Da verzeiht man ihm, dass das Drumming (insbesondere bei Double-Bass Attacken) teilweise nicht ganz so tight wirkt. Dafür klingt der Drum-Sound sehr natürlich. Erfreulich ist ebenfalls der Umstand, dass der E-Bass gut hörbar ist und nicht, wie im Genre üblich, im Hintergrund untergeht.

Fazit: Ein sehr gelungenes Debüt! Anspieltipp für Freunde von Melodic / Atmospheric Black Metal.

„Timewheel“ erschien am 29. Februar 2020 digital und als limitierte Digipack-CD in Eigenproduktion. Gleichentags wurde über Slowsnow Records eine auf 60 Stück beschränkte Tape-Version veröffentlicht. Casus Belli Musica / Beverina Productions liefern nun am 15. Juni die Vinyl-LP in verschiedenen Ausführungen nach.

Hörbeispiele zu Gloosh gibt es unter folgendem Link:
https://gloosh.bandcamp.com/album/timewheel

geschrieben am 20.04.2020 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15
Informationen: Gloosh
Casus Belli Musica / Beverina Productions

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.