CD-Review: Calarook – Surrender or die


[Pirate Metal] – Eigenproduktion (2020)
Schweiz

Binnenland-Freibeuter!

Calarook wurden 2014 unter dem Namen Calico in Winterthur gegründet und haben sich dem Pirate Metal verschrieben. 2018 durfte man das Ragnarök Festival rocken – dies noch unter altem Namen aber stilgerecht mit Papagei auf der Schulter. Uns gefiel der damalige Auftritt! Ende 2019 erfolgte die Umbenennung und am 11. September 2020 veröffentlichte das Quintett nun sein Debütalbum „Surrender or die“.

Nach wie vor gibt es nur wenige Metalacts, welche sich ganz der Piratenthematik verschrieben haben: Running Wild, Alestorm, Swashbuckle, Rumahoy und Red Rum sind wohl die bekanntesten Vertreter des Genres. Die musikalische Ausrichtung der genannten Bands reicht dabei von Heavy- über Power- und Folk Metal bis hin zum Thrash. Calarook wählten zur musikalischen Untermalung ihres Seemannsgarns Melodic Death Metal. Dieser wird, für den folkigen Touch, mit einer (omnipräsenten) Geige angereichert. Stilistische Vergleiche mit den Landsleuten von Eluveitie (deren Gitarrist Rafael Salzmann die Aufnahmen leitete) und den nicht mehr existierenden Abinchova haben daher durchaus ihre Berechtigung.

Auf das gelungene Intro ꞌ47°30’18“N 8°51’52“Eꞌ (die Koordinaten verweisen auf die Sandhöhlen Elgg in der Nähe der Heimatstadt des Quintetts) mit sehr starker Melodie folgt ein Stilbruch und die Schweizer legen mit Geknüppel und ꞌA cursed Ship’s Taleꞌ los. Bereits nach wenigen Minuten lässt sich ein Hauptkritikpunkt ausmachen: der Gesang! Philipp Wyssens Growls sind zwar markant, jedoch auch gar eintönig. Gegen Ende des Tracks wird dezenter Chorgesang eingebaut, welcher diesen A-Cappella ausklingen lässt. Solche Stilmittel sollten häufiger eingesetzt werden. Und zwar am besten gleich noch mit der einen oder anderen zusätzlichen Gesangsspur. Auch gelegentliche Clean-Passagen würden das Werk aufwerten.

Auf lyrischer Seite wird ziemlich genau das geboten, was man in diesem Genre erwarten kann. Nicht ganz überraschenderweise spielt dabei Alkohol eine wichtige Rolle (ꞌQuest for Boozeꞌ, ꞌLoyal to None but Rumꞌ). Zu ꞌInvisible Pineapplesꞌ und dem Titeltrack wurden überdies Videoclips veröffentlicht.

Eigentlich machen Calarook vieles richtig. Man variiert gelegentlich das Tempo, bringt folkige Passagen ein, setzt auch mal den Bass in den Vordergrund. Und doch: was live gut funktioniert, zündet auf Platte nicht so richtig und wirkt aufgrund sich ähnelnder Songstrukturen mit der Zeit ermüdend. Bei 16 Tracks und 69 Minuten Spieldauer muss festgehalten werden, dass weniger manchmal mehr ist. Die kommenden Releases sollten kompakter daherkommen und benötigen insbesondere mehr Abwechslung am Gesang. Beim Songwriting darf man etwas mutiger auftreten und die Violine punktuell z. B. durch ein Akkordeon oder Keyboard ersetzen.   

Zu beziehen ist das Werk u. a. im Bundle mit T-Shirt und Rum (!) im bandeigenen Shop.

Hörbeispiele zu Calarook gibt es unter folgendem Link:
https://calarook.bandcamp.com/releases

geschrieben am 22.09.2020 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Calarook
Eigenproduktion

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