CD-Review: Barbar’O’Rhum – Journal de B’O’R

[Celtic Punk / Pirate Metal] – Mannequin Vanity Records (2020)
Frankreich

Ahoi, ihr Landratten!

Die Piratenthematik scheint ein Revival zu erleben. So erreicht uns dieser Tag aus Toulouse (nein, liegt nicht am Meer) das zweite Album der Freibeuter Barbar’O’Rhum. Die Franzosen bezeichnen ihren Stil als Rock ‘n’ Rum. Dieser soll gemäss eigener Angabe eine Mischung aus Sea Shanties, traditioneller Folk Musik, Celtic Rock, Irish Punk und Folk Metal darstellen.

Nun, dem gibt es tatsächlich nur wenig hinzuzufügen. Erwähnt werden muss allerdings noch, dass auch karibische Klänge, Ska-Rhythmen, orientalische Musik oder gar Dancehall Einzug in den Sound von B’O’R finden. Los geht es mit einem beinahe A-Cappella Intro ꞌL’Equipage de Barbedrutꞌ (dt. ꞌBarbedruts Besatzungꞌ). Dieses beginnt recht unspektakulär. Wenn dann jedoch der Chor im Refrain einsetzt, erlebt man einen echten Gänsehautmoment. Ganz starke Melodieführung, welche an ꞌIntifadaꞌ der spanischen Ska-Punker Ska-P erinnert (obwohl diese hier wohl die wenigsten kennen dürften).

Mit ‚Pirate des Champsꞌ wird im Anschluss ein erster Celtic Punk Track ins Rennen geschickt. Wer Flogging Molly mag, wird sich hiermit schnell identifizieren können. In ꞌL’Antre de Davy Jonesꞌ (ꞌDavy Jones’ Höhleꞌ) wird es erstmal etwas metallischer. Hierbei fällt auf, dass der Sound für Folk Punk zwar gut abgemischt wurde, für Metal-Verhältnisse jedoch zu wenig druckvoll daherkommt.

Bei ꞌBoire, Occire, Rireꞌ (ꞌTrinken, töten, lachenꞌ) handelt es sich um ein Instrumental, welches im Stile Keltischer Folkmusik beginnt, dann aufgrund des Einsetzens von E-Gitarre und Gaita zum tanzbaren Folk Metal Song avanciert. ꞌLe Robin des Mersꞌ (eine Anspielung auf Robin Hood, da der Song von einen Puerto Ricanischen Piraten namens Roberto Cofresí handelt, der seine Beute an die Armen verteilte), wechselt munter zwischen Punk und Metal Gerüst – immer schön mit folkigem Unterton versehen.

ꞌLe Rocher des Piratesꞌ (ꞌDer Piratenfelsꞌ) beginnt und endet mit 8-Bit Sound. Dazwischen geben sich B’O’R folk-rockig bis metallisch, werfen einen eingängigen Refrain sowie ausgedehnte Instrumentalpassagen ein. ꞌBirdyꞌ behandelt den englischen Piraten John Ward (Birdy lautete sein Spitzname), welcher sich vorwiegend in der Maghreb Region des Mittelmeeres herumtrieb. Passend dazu werden hier orientalische Klänge im Punk / Metal Gewand ins Spiel gebracht.

ꞌPénurie de Rhumꞌ (ꞌRumknappheit‘) wiederum ist klar im Punk verwurzelt und zeigt, dass sämtliche Bandmitglieder überdurchschnittliche Fähigkeiten am Gesang aufweisen. In ‚Frères de Bitte‘ (sinngemäss ‚Poller-Brüder‘) zieht das Septett musikalisch sämtliche Register und integriert gar Reggae-, Ska- und Dancehall-Sounds. Bei ꞌLa Chasse au Krakenꞌ (‚Die Kraken-Jagd‘) handelt es sich wiederum um einen metallischeren Track ehe mit ‚Les P’tits Rafiots‘ (‚Die kleinen Nussschalen‘) das instrumentale Schlussfurioso eingeläutet wird: Hier trifft Vivaldi auf irisch / keltische Jigs und Reels wie man sie z. B. von Eluveitie oder den bereits erwähnten Flogging Molly kennt.

Bereits das eingangs erwähnte Stil-Potpourri liess erahnen, dass B’O’R äusserst abwechslungsreich daherkommen und während 65 Minuten einen durchaus interessanten Mix präsentieren. Wer da an Alestorm denkt, liegt nicht völlig verkehrt. Was im Vergleich zu Christopher Bowes’ Crew noch fehlt, ist der eine oder andere „Hit“. Also ein Track, der gleich nach dem ersten Hördurchgang haften bleibt. Irgendwie sympathisch ist überdies die Tatsache, dass B’O’R komplett in der französischen Muttersprache singen. Hätte man aufgrund des Genres so nicht unbedingt erwartet. Man darf gespannt sein, was für Seemannsgarn die Korsaren in Zukunft noch spinnen werden.

„Journal de B’O’R“ erschien am 30.10.2020 als CD und digital.

Hörbeispiele zu Barbar’O’Rhum gibt es unter folgendem Link:
https://www.youtube.com/channel/UC4Ilmg3XTSAcDx0LZovJFHQ?reload=9

geschrieben am 02.11.2020 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 11 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Barbar’O’Rhum
Mannequin Vanity Records

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