CD-Review: Antigone’s Fate – Fragmente

[Atmospheric Black Metal] – Northern Silence Productions (2021)
Deutschland
Traurig-schön!

Bei Antigone’s Fate handelt es sich um ein Ein-Mann-Projekt aus Schleswig-Holstein, welches 2015 gegründet wurde und bisher zwei Alben sowie eine Single veröffentlichte. Die Fäden zieht hier ein gewisser Ruun, welcher im letzten Jahr mit seinem Banjo (!) getränkten Black / Thrash Debüt „Redneck Black Metal“ unter dem Namen Slagthammer in Erscheinung trat.

„Fragmente“ und Antigone’s Fate verzichten auf das Banjo, setzen auf deutlich ruhigere Töne und sind im Bereich Atmospheric Black Metal mit leicht depressivem Unterton anzusiedeln. Ruun versteht es, traurig-schöne Riffs und Leads zu schreiben, in welchen man Antigone’s Fate sofort wiedererkennt. Dies setzt natürlich voraus, dass man mit dem bisherigen Schaffen vertraut ist. An dieser Stelle seien euch deshalb die beiden Vorgängeralben „Insomnia“ und „Zum Horizont…“ dringendst ans Herz gelegt!

Der erste Track ꞌVrìka to thánatoꞌ strotzt in seinen über 14 Minuten nur so von diesen Riffs. Ein monumentaler Auftakt, in welchem von Akustikgitarren, Streicherklängen bis hin zu Blast-Beats alles enthalten ist. Stimmlich wird geflüstert, verzweifelt geschrien, dezent gekeift und auch mal ganz einfach clean gesungen.

In ähnlichem Stil geht es mit ꞌDen Königen Elend und Verfallꞌ weiter, welcher sogar über 21 Minuten dauert. Der Beginn weist interessanterweise ein sehr ähnliche Melodieführung wie der Eröffnungssong auf. Dies lässt den Schluss zu, dass ꞌVrìka to thánatoꞌ und ꞌDen Königen Elend und Verfallꞌ als eine Einheit zu verstehen sind.

ꞌSonnenaufgangꞌ lautet der passende Titel des dritten Tracks. Dieser bildet den an Alcest erinnernden, völlig schwarzmetallfreien, instrumentalen Abschluss des Albums und weist mit seinen knapp sieben Minuten schon fast eine radiotaugliche Spielzeit auf.

Die grosse Kunst besteht darin, derart lange Songs spannend zu gestalten und sich nicht zigmal zu wiederholen. Dies gelingt dem Mastermind spielend – nicht die entfernteste Spur von Langeweile kommt auf. Man hört Antigone’s Fate schlicht gerne zu und lauscht gespannt, was als nächstes geschehen wird. Ruun kann also nicht nur rumpeln. Nein, er kann auch wunderbar Atmosphäre kreieren. Beides auf derart hohem Niveau zu beherrschen, verdient Respekt. Chapeau, Meister!

Fazit: ein erstes Highlight im noch jungen Jahr!

„Fragmente“ erscheint am 29. Januar 2021 als limitierte Digi-CD sowie in digitaler Form.

Hörbeispiele zu Antigone’s Fate gibt es unter folgendem Link:
Music | Antigone’s Fate (bandcamp.com)

geschrieben am 18.01.2021 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 11 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Antigone’s Fate
http://northern-silence.de/

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