CD-Review: Majesty of Silence – Die Schöpfung Tohuwabohu


[Symphonic Black Metal] – Boersma Records (2021)
Schweiz
Heilloses Durcheinander!

Die sympathischen Chaoten von Majesty of Silence (M.O.S.) sind zurück! Anno 2018 durften wir uns dem vierten Werk „Zu dunkel für das Licht“ annehmen, welches nach längerer Abstinenz die Rückkehr der Band bedeutete. Nun doppelt das Duo, bestehend aus Peter Mahler und Christian Geissmann (Dreams in Fragments, Proxima), mit Album Nr. 5 nach. Man munkelt, es sei das Letzte…

Wer sein Album „Die Schöpfung Tohuwabohu“ nennt (Der Begriff „Tohuwabohu“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet in etwa heilloses Durcheinander oder auch Chaos) beabsichtigt, die Hörerschaft (und Rezensenten) zu fordern. So viel vorweg: Easy Listening geht definitiv anders!

Die beiden Eidgenossen packen denn auch zahlreiche unterschiedliche Stilmittel in ihren Sound: (Symphonic) Black Metal mit vielen Blast-Beat Attacken; an Finntroll erinnernde Humppa-Elemente (ꞌStechpalmenholzꞌ); Elektro-Klänge (ꞌEin Haus am Meerꞌ); von lieblichen Frauenstimmen getragene poppige, ja schon fast dem Schlager(!) zuzuordnende Refrains (ꞌEs tut uns leidꞌ); prägnante Pianomelodien (ꞌSeelensammlerꞌ), Spoken Words; Gekeife und aberwitziges Geschrei erklingen mal in fliessenden Übergängen, dann wieder völlig unvorbereitet und abrupt.

Die männlichen Gesangsspuren teilen sich die beiden Protagonisten untereinander auf, für die Female Vocals erhielten M.O.S. von den Gastsängerinnen Seraina Schöpfer (Dreams in Fragments, Green Labyrinth), Karin Sager-Zimmerman sowie der Sprecherin Nadia Geissmann Unterstützung.

Den Vogel schiesst das Duo bei ꞌSchalt es ausꞌ ab: in dessen Abspann wird während zehn Minuten ebendieser Ausruf immer und immer wieder repetiert. Der 14. und letzte „Track“ wurde wiederum mit ꞌStilleꞌ betitelt und beinhaltet einmal mehr genau das, was er verspricht. Damit findet das Album nach 79 (!) Minuten sein Ende.

„Die Schöpfung Tohuwabohu“ braucht definitiv viele Hördurchgänge, ehe man den Wahnsinn, welcher einem hier um die Ohren gehauen wird, auch nur annähernd nachvollziehen kann. Tatsächlich stellt das Werk eher die Vertonung eines (am Dadaismus angelehnten) Theaterstücks mit (schwarz)metallischer Untermalung als ein herkömmliches Metalalbum dar. Potenzial, das Ganze auf die Bühne zu bringen, wäre auf jeden Fall vorhanden. Das Drehbuch dazu haben M.O.S. hiermit geschrieben.

Fazit: Das fünfte Album von M.O.S. fiel unzugänglicher als dessen Vorgänger aus und enthält gleichermassen gute Passagen wie auch viel Irritierend-Verstörendes. An diesem Werk werden sich die Geister scheiden.

Das Album erschien am 1. Oktober 2021 digital und als CD, letztere limitiert auf 666 Stück.

Dementsprechend gibt es 10 von 15 möglichen Punkten (66.6% – ihr versteht).

Hörbeispiele zu Majesty of Silence gibt es unter folgendem Link:
https://www.facebook.com/Mosmetalband/

geschrieben am 27.12.2021 von wallace@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 11 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Informationen: Majesty of Silence
Boersma Records

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