CD-Review: Koenix – Eiland

[Medieval] – Hicktown Records (2022)
Schweiz
Spannende Neuerungen!

Koenix gründeten sich 2009 aus einem Strassenmusik-Projekt und bildeten dazumal in leicht geänderter Zusammensetzung das akustische Alter Ego der Mittelalter-Rocker von Des Koenigs Halunken. Letztere segneten kurz darauf das Zeitliche, hinterliessen dabei der Nachwelt aber immerhin zwei Alben („Spieglein, Spieglein“ und „Irrfahrt“).

2010 wurde mit „Us em Gjätt“ das Debütalbum veröffentlicht, lediglich zwei Jahre später das Zweitwerk „Vo de Gipfle“ nachgelegt. Der Zweijahresrhythmus konnte beibehalten werden und so folgte 2014 mit „Im Fluss“ Album Nr. 3. Etwas länger, nämlich ziemlich genau drei Jahre, dauerte es bis mit „Dürs Füür“ das vierte Album das Licht der Welt erblickte. 2018 folgte mit „Dekade I“ die erste Werksschau über die bislang veröffentlichten Alben.

Danach wurde es etwas ruhiger um das Quartett. Zwar spielten Koenix in den darauffolgenden Jahren immer wieder Konzerte, es dauerte aber schliesslich satte fünf Jahre bis die Helvetier Anfang 2022 mit „Eiland“ endlich das fünfte Studioalbum ankündigten.

Wurde die Band früher von Percussioninstrumenten rhythmisch begleitet, wissen Koenix mit Philipp Eichenberger nun einen Drummer in ihren Reihen. Der Recke spielte früher in diversen Metalbands, was man seinem Spielstil entsprechend anhört. Ein geschickter Schachzug, vermag doch das treibende Drumming den Songs einen rockigeren Touch zu verleihen.

Mit ꞌUrzytꞌ wird fulminant losgelegt. Ein äusserst tanzbarer Track, welcher in Schweizer Mundart gesungen wird. Wobei es sich um eine Aneinanderreihung von altertümlichen Ausdrücken handeln muss, denn selbst der Verfasser, welcher dem Dialekt durchaus mächtig ist, versteht nur Bahnhof. Neu ist dabei die Einflechtung von dezenten Elektronica-Elementen (Koenix verwenden hierfür den Begriff „Folktronica“). Der darauffolgende, ebenfalls auf Schweizerdeutsch gesungene Titeltrack handelt vermeintlich von einer schwierigen Liebesbeziehung. Tatsächlich geht es jedoch um das toxische Verhältnis vieler Menschen zu ihrem Smartphone. Erstmals in der Bandgeschichte kommt hier auch eine E-Gitarre zum Einsatz.

Im Vorfeld des Albumreleases wurden bereits ganze drei Singles inkl. Video ausgekoppelt: ꞌLet’s Dadadaꞌ (englisch gesungener Track, welcher zum Tanzen auffordert und Elemente aus der Weltmusik und gar dezent dem Ska-Punk enthält), ꞌFuchurꞌ (eine rein instrumentale Uptemponummer, die durch die ungewöhnliche Kombination von Sitar, Dudelsack und Drehleier besticht) sowie ꞌHannaꞌ (eine Ballade mit Popappeal, welche als einziger Track den Schreiberling nicht so recht zu überzeugen vermag).

Speziell anzusprechen ist überdies Track Nr. 9 ꞌMondsuchtꞌ: Dieser glänzt mit einer wunderschön-klagenden Melodie gespielt von den Uilleann Pipes, begleitet von einer Sitar und unterlegt mit Electronica, Drums sowie für zusätzliche Percussion einer Davul. Grosses Kino! Ausserdem besonders hervorzuheben: der würdige Rausschmeisser ꞌTuuti Bologneseꞌ (sic!) mit Hackbrett, Schalmei, Flöte und sogar etwas Jodel!

Einmal mehr beweisen Koenix sehr viel Abwechslungsreichtum in ihren Songs. Die eingestreuten Neuerungen sorgen dafür, dass das Werk im positiven Sinne modern klingt. Am meisten überzeugen können dabei die schnelleren Nummern sowie die Instrumentals.

Fazit: wiederum ein klasse Album!

„Eiland“ erscheint am 20. Mai 2022 als CD und in digitaler Form.

Hörbeispiele zu Koenix gibt es unter folgendem Link:

http://www.koenix-band.ch/

geschrieben am 16.05.2022 von wallace.folkmetal@gmx.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 13 von 15
Punkte (Gesamt): 14 von 15
Informationen: Koenix
Hicktown Records

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.