Konzertbericht: Moonsorrow, Tyr, Crimfall, Richthammer

Moonsorrow, Tyr, Crimfall, Richthammer
Ort: Wien – Escape
Datum: 2. Dezember 2011

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Richthammer

Bilder vom Konzert

Das Vorgeplänkel

Freitag morgens, 08.30 Uhr: Die fränkische Delegation saß in freudiger Erwartung in der dicken Hummel, bereit zum Abflug gen Osten. Doch – oh Schreck! – die Hummel blieb am Boden. Eine runde Stunde Däumchen drehen war angesagt. Offensichtlich hatte der Hausmeister von „Vienna International“ verschlafen und anschließend mit völliger Gemütsruhe und bar jeglicher Hektik noch sein Frühstück beendet, ehe die Welt zu Gast sein durfte, in der Metropole an der Donau. Nun ja, Schweizer Präzision und Pünktlichkeit ist eben eine Schweizer Angelegenheit … und dieses Moonsorrow-Konzert fand eben nicht in Zürich statt, wie anno 2010.

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Crimfall

Dafür hatte man sich auf Wiener Seite außerordentlich bemüht, das Festivalgelände herauszuputzen. Waren die Frankenhorden noch bei strahlendem Sonnenschein gestartet, hatte man der Stadt im Osten eine dicke Nebelhaube übergestülpt, die Türen sämtlicher Wiener Kühlschränke und Tiefkühltruhen geöffnet (um finnische Temperaturen zu erzeugen) und eine kleine, aber feine Eisschicht ausgebracht. Für eine echte nordische Atmosphäre war jedenfalls gesorgt.

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Tyr

Entgegen Schweizer Landen sprach man hier aber eine andere Sprache als in der fränkischen Heimat, so dass man auf beiden Seiten den jeweils anderen zunächst etwas verständnislos ansah (man merkt halt die Verbundenheit der Schweizer zu den Franken, die nicht nur ihre Nationalfarben exakt auf die fränkischen abgestimmt haben, sondern auch ihr wertvollstes Kulturgut nach uns benannten). Doch bevor man sich die Blöße gab und auf die englische Sprache wechselte, obsiegte die beiderseitige Hartnäckigkeit, so dass eine Kommunikation schließlich auch zwischen Wienern und den Piefkes möglich war. Völkerverständigung im wahrsten Sinne des Wortes! Inzwischen hatten die Gastgeber sogar Schneekanonen aus den umliegenden Bergen herangeschafft und in Betrieb genommen. Hätte in den letzten Wochen und Monaten keine Wasserknappheit geherrscht, man hätte den ganzen Weg von „Vienna International“ bis vor die Haustür des Escape mit meterhohen Schneeverwehungen ausstaffiert, so waren sich die Franken sicher. So aber reichte es nur für leichten Schneefall … stimmungsvoll jedenfalls … und sehr finnisch!

Die Schneeschuhe konnten jedenfalls im Koffer bleiben, auf der ersten Zwischenstation, dem Steffl. Mangels Bierparadies in der Metropole des Heurigen versammelte sich die fränkische Horde dort, in Augenhöhe mit der „Spitze der Welt“ und genoss in schummrig, zigarren-schwangerer Atmosphäre so manchen Prince of Wales. Sehr entspannt, sehr relaxt und optisch sehr reizvoll. Ein anderer Einstand als in Zürich fürwahr, aber beileibe kein schlechterer! Und so leicht promillisiert erschien der Himmel über dem Dom und der Stadt gleich etwas farbenprächtiger … (wie sich auf den Bildern zeigt).

Ein paar Runden wurden noch gedreht zum Ausnüchtern und so manches Wiener-Original getroffen und photographiert, bevor es die Franken in ein einheimisches Spezialitäten-Restaurant verschlug, das praktischerweise mit einem großen, gelb-leuchtendem „W“ (für Wien) gekennzeichnet war (siehe Photogallerie). Und über das ein oder andere Kaffeehaus (das zwar keinen Kaffee ausschenkte, sondern nach hiesigen Maßstäben eher Bier) ging es schließlich in Richtung Erichs Wohnzimmer.

Der Kampfschauplatz

Wer – wie die Frankenhorden – das Schlachtfeld (namens Escape) erstmals besucht, wird mit Sicherheit vor der schieren Größe der Halle … ? … des Saals …? … des Zimmers …? erschlagen oder sollte man besser sagen „erdrückt“? Letzteres versinnbildlicht die räumlichen Gegebenheiten am trefflichsten. Jedenfalls der Keller im Hause des Berichterstatters ist größer, nun gut sagen wir mal nicht kleiner. Das bedeutet für die Protagonisten auf der stage zunächst ´mal eines: Menschenscheu sollten sie besser nicht sein. Und sie sollten sich mit ihren Fans bestens verstehen, sonst packt der rächende Arm aus der Tiefe des Raumes unerbittlich zu … ein Entkommen gibt es für die musicans jedenfalls nicht.

Ein klares Plus also für den Metal Head, aber doch auch ein kleiner Nachteil: So wirklich übersichtlich geht es in den Gewölben des Escape auch nicht zu. Würde man das Schlagwerk nicht hören (oder manchen Keyboarder), man wüsste nicht, ob es einen gibt, denn sehen kann man die Jungs (gegebenenfalls auch Mädels) nicht, zumindest nicht von überall, zu gut sind sie versteckt hinter dem Treppenhaus. Ein Wort gleich bei dieser Gelegenheit in punkto Klang: Es überrascht doch sehr bei der „schieren Größe“ des Raumes und insbesondere der „Größe“ des Mischpults, dass man später tatsächlich von einem „Klang“ sprechen konnte. Gut, perfekt war er vielleicht nicht, aber schlecht auch nicht. Stellt sich die Frage, warum man andernorts riesige, Billard-Tisch-große Mischpulte mit tausenden von Reglern, Knöpfen und Schiebern und was weiß der Geier noch braucht, um im Endeffekt kein besseres Ergebnis hinzumischen als die Escapler mit einem „Mischpult“ in der Größe eines Bierkastens? Tiefen Respekt also für dieses ausgezeichnete Ergebnis gerade im Hinblick auf technische Möglichkeiten und das Resultat. Und wenn wir hier schon das Loben anfangen, so wollen wir doch nicht die – für Piefke-Verhältnisse – exquisite Bierauswahl vergessen. Reihenweise Austrias goldene Schätze im handlichen Flaschenformat (geschätzte sechs Brauereien zur Auswahl!) anstelle der hierzulande üblichen Einheits-Großbrauerei-Plörre. Löblich! Absolut löblich!!!

Die Schlacht

Zurück zu den musikalischen Seiten des Lebens: „Richthammer“ machten als lokaler Support den Auftakt. Im Gegensatz zu den später folgenden Nordlichtern wandete man sich österreichisch-stilecht in Lederhosen, bemalt zudem in rot-weiß-rot … und rockte einfach (mal mit, mal ohne Hemd und ab und an mit Sonnenbrille) drauf los. Selbst ein (ehemaliges?) Trinkhorn fand noch als tönendes Teil seine Verwendung … wohl als Ersatz zu den sonst mutmaßlich verwendeten Alphörnern, die aber aufgrund der Größe bzw. den Größenverhältnissen der Veranstaltungslokalität nicht zum Einsatz kommen konnten. Und der kurzweilige Auftritt gefiel dem bereits zahlreich erschienenen Auditorium. Diese Jungs sollte man künftig nicht aus den Augen verlieren, daher merken wir uns die facebookseite von Richthammer und empfehlen sie an dieser Stelle gleich weiter!

Und die Meute machte ihre Sache wirklich gut, sie brachte insbesondere die andere Meute (auf Zuschauerseite) in Stimmung, in richtige Stimmung für das „nordische Dreigestirn“, das nun folgen sollte. Eingeläutet wurde dieses Dreigestirn von den Finnen „Crimfall“ deren Leadsänger Mikko Häkkinen zunächst damit überraschte, dass er überhaupt einen Verstärker benutzte. Dieses „Wikingermonster“ war dermaßen brachial, dass man wohl die Zuschauerkapazität reduzieren musste, sonst wären mit Sicherheit einige Metal-Heads schlicht zerquetscht worden. Diese Energie war beeindruckend und setzte einen perfekten Kontrapunkt zu der zweiten Leadsängerin der Formation Helena Haaparanta. Und wow, diese Dame hat einfach Stimme! Eine Stimme mit Volumen und Qualität! Hätte ich Erichs Hörnerhelm, ich würde ihn vor dieser Lady ziehen! Die brutale Wucht einerseits, die faszinierende, zweite Stimme andererseits, dazu der beste Sound des Abends … melodiöser Pagan-Metal, der einfach Laune machte.

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Moonsorrow

Und nachdem Crimfall, Moonsorrow und Tyr lediglich die Gitarren umstöpselten (das Keyboard von Markus Eurén war in Windeseile aufgebaut) ging es ohne große Pause weiter. Für die Frankenhorden etwas überraschend folgten nun nicht die Färinger von Tyr, sondern bereits Moonsorrow. Entsprechend drängten die letzten Metal-Heads in die Wiener Katakomben und die ganze Mannschaft zudem nach vorne. Eng wurde es, heiß und stickig war es schon. Der Rahmen für ein außergewöhnliches Konzert war damit gegeben, denn was nun folgte war im Grunde eine Offenbarung. Wenn man sich überlegt, wie ein perfektes Pagan-Metal-Konzert auszuschauen hat, kommt einem vielleicht Primordial in The Button Factory/Dublin in den Sinn. Nun wenn man die Dimensionen um das Fünffache schrumpft und Musiker und Zuhörer ordentlich zusammenpresst, dann kommt genau das heraus … Pagan voller Enthusiasmus.

Mehr Tuchfühlung geht nicht mehr, mehr (Haut-) Kontakt zu den Heroen auf der Bühne ist nicht möglich: das Escape brodelte, dampfte und kochte … und den Finnen gefiel´s. Die Voraussetzung für einen wahrlich gelungenen, denkwürdigen Abend. „Denkwürdig“ schon deswegen, weil keine seelenlose, immer gleiche Setlist runter geschruppt wurde. Nein. Moonsorrow spielten über weite Strecken auf Zuruf. „Sie wünschen, wir spielen“ war das Motto des Abends. Und so ergab sich am Ende ein Potpourri, ein Querschnitt durch die musikalische Bandgeschichte. Klanglich nicht wirklich perfekt (was bei dieser komplexen Musik im Grunde auch nicht anders zu erwarten ist), aber doch sehr akzeptabel. Und das reichte völlig, den Rest legten die fünf Finnen selbst drauf. Oder waren es die Fans? Zumindest durften sie (mitten im Stück!) auf Janne Perttilä ESP-Klampfe zupfen und schrubben, wickelte dieser seine Zunge mehrfach um den Mikrofonständer und drückte den verzückten Fans seine Plektren (sozusagen persönlich) in die Hand (und warf sie nicht einfach unters Volk). Und der finnische Rest stand dem nicht nach. Soviel Spielfreude und Begeisterung wünschte man sich öfters!

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Moonsorrow

Eine gefühlte Ewigkeit dauerte dieses Konzert, bei dem man das Gefühl hatte, dass es für die Band selbst auch etwas Besonderes war, etwas was sich auf einer Tour nicht beliebig oft wiederholen lässt. Und gleiches galt auch für die Metal-Heads, zumindest für die fränkischen. „Moonsorrow live in Vienna“ war Faszination, ein Auftritt, den man so schnell nicht vergessen wird und im Grunde dürfte man kein Moonsorrow-Konzert mehr besuchen, denn dieser Zauber, dieser Mythos lässt sich nicht einfach wiederholen, auf einer größeren/großen Bühne schon gleich gar nicht. Und mit einem 16minütigem „The land oft he dead“ traten die Musiker einzeln ab, die Treppen hinauf nach Valhall.

Entsprechend ging auch der nachfolgende Auftritt von Tyr an den Franken etwas vorbei, anders als vermutlich bei den vielen weiblichen Fans, die offensichtlich den Auftritt von Heri Joensen entgegenfieberten. „Moonsorrow in my mind“ waren die zugereisten Piefkes jedenfalls nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Wenn gleich man sagen muss, in Sachen Spielfreude standen die Färinger den Finnen wahrlich nicht nach. Seelig machten sich die Franken nach den letzten Klängen von Tyrs „Hall of freedom“ durch die nass-kalt-diesige Nacht von Wien auf den Rückweg …

Moonsorrow live in Escape/Vienna … es wird unvergessen bleiben!
Und was anfangs noch etwas skeptisch beäugt wurde, stellte sich am Ende als der genialste Rahmen für eine der genialsten Pagan-Metal-Bands heraus. Wenn das im Escape immer so zugeht, dann sollte man sich schleunigst an eine Vervielfältigung der Lokalität machen. Einen Escape-Corner für alle Metaller, überall auf der Welt … und für die fränkische Zweigstelle steht der Betreiber bereits fest! Wen wundert´s, dass das Esacape für so manchen Metal-Head die letzte Ruhestätte sein soll, wie die ausgestellten Skelette erkennen lassen.

Escape/Wien? From Nuremberg with love!

Bilder vom Konzert

Karsten – 11. Dezember 2011

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