CD-Review: Drescher – Erntezeit

drescher_erntezeit

[Volksmetal/Crossover] – Drescher Records (2014)
Österreich
Mundart goes to Metal!

Wenn wir das letzte Jahr Revue passieren lassen, blicken wir auf ein paar geniale Veröffentlichungen renommierter Bands, mehr oder weniger gute Produktionen junger Combos und die eine oder andere positive Überraschung aus dem Newcomer Sektor zurück. Eine davon kommt aus der Alpenrepublik. Genannt „Drescher“.

Wer sich mit der Bandhistorie auseinandersetzt, stellt fest, dass es sich bei Drescher keinesfalls um Greenhorns handelt. Spätestens wenn die ersten Töne von „Erntezeit“ erklingen, wird klar, dass es sich dabei um Musiker handelt, die ihr Handwerk schon länger beherrschen. Die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Plattenteller. Die heißt „Erntezeit“ und besticht mit perfektem Sound sowie einem professionellen Mix. Immerhin reden wir von bis zu 25 Jahren Berufserfahrung. Um nur Sigi Meier zu nennen, der schon im Dienste der Hallucination Company, Drahdiwaberl sowie Hansi Lang stand und seit 2011 ebenso für Sextiger Herr über die Drums ist.

Was jedoch macht Drescher so interessant und was ist das wesentliche an „Erntezeit“? Ein guter Sound alleine machts ja nicht aus. Drescher zelebrieren Volksmusik in ihrer ursprünglichen Form mit der derben und zugleich liebevollen österreichischer Mundart. „Ja, dürfen s‘ denn des?“ zitierte schon ein alter österreichischer Kaiser. Genau das ist der springende Punkt. In Zeiten, wo jede zweite Combo auf nordische Mythologie, Wikingerverehrung oder Keltentum setzt, zeigen sich die Österreicher mutig und pfeifen auf diverse Trends.

Kombiniert mit beinharten Thrash Riffs im Stile der Neunziger ergibt sich ein einzigartiges und kraftvolles Klangerlebnis. Im Mittelpunkt steht die Dresch Quetschn (Akkordeon) von Filip Rado. Das Liedgut besteht aus zehn Teilen und setzt sich mit den alltäglichen und vergangenen Dingen aus dem Steinfeld am Rande der „Buckligen Welt“ – der Heimat der Drescher – auseinander. Kritisch, erheiternd und im selben Atemzug melancholisch. Einfach direkt – einfach Mundart. Die Kompaktheit des Albums besticht, umso schwerer fällt es Favoriten auszumachen. Meine persönlichen Highlights sind dennoch ‚First Blood‘, ‚Dresch Quetschn‘, ‚Zeit zum Gehn‘ und das Maiden-Cover ‚Geheiligt werde dein Name‘ (Hallowed be thy name). Wohl die erste Version mit der Quetschn. Wer hätte das 1982 gedacht.

Weder das Akkordeon noch die volkstümliche Musik sind neu im Metal. Nur ist es das härteste, was der Volksmetal je zu bieten hatte. Das, was Drescher präsentieren, ist ein eigener Stil, an dem sich erfahrene Musiker aus den verschiedensten Genres beteiligen. Genau das macht es so spannend.

Stay folk, stay heavy – Dresch‘ em all!!!

Hörbeispiele zu Drescher finden Sie unter folgendem Link: http://www.youtube.com/user/diedrescher

geschrieben am 07.01.2015 von erich@folkmetal.at

Bewertung: Punkte (Innovation): 12 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Informationen: Drescher
Hoanzl Vertriebs GmbH

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