CD-Review: Gwydion – Horn Triskelion

gwydion_horn triskelion

[Folk Metal] – Trollzorn (2010)
Portugal
Die Nordmänner aus dem Süden!

Ein Nordmannen- Krieger im Schneetreiben, mit Banner und Axt, bereit zum Kampf mit den Mächten der Welt: Das Cover des aktuellen Albums von Gwydion lässt manches erwarten.

Vergleicht man dann aber die wahre Herkunft der Krieger um Sänger Ruben Almeida mit ihrem Außenauftritt, so staunt man zunächst nicht schlecht, stammen sie doch nicht aus dem eisigen Norden, sondern aus dem warmen Süden, zumal aus Portugal, das hierzulande nicht gerade bekannt ist für Pagan-/Folk-Metal. Aber das muss natürlich kein Nachteil sein.

Pathetisch, dramatisch und hymnenhaft beginnt das Werk mit einem ausführlichen Intro … was gleich (wieder) die Frage aufwirft, warum es nicht einmal ohne Intro geht … d a s wäre inzwischen richtig „innovativ“.
Die Scheibe setzt verhalten fort. „Fara I Viking“ bringt zwar manches an Power im Midtempobereich, aber lässt den Hörer zögern: Der Sound klingt doch reichlich vertraut. Qualitativ über jeden Zweifel erhaben, meint man spontan eine neue Alestorm mit einer Prise Swashbuckle und einem Hauch Svartsot gewürzt, vor sich zu haben. „From Hel to Asgard“ und „Ofíussa“ steigern so dann stellenweise das Tempo etwas, bringen den Headbanger allmählich auf Temperatur, aber die Klänge bleiben doch weiterhin sehr vertraut.

Mit „Mead Of Poetry“ steuert das imaginäre Wikingerschiff dem ersten Höhepunkt entgegen und bringt das Blut eines jeden Folk-/Pagan-Metaller nun gehörig in Wallung: Party-Metal wie er besser nicht sein kann. Wer bei „Mead of Poetry“ nicht ausrastet, dem ist nicht mehr zu helfen! Dieser Song verlangt nach überschäumenden Trinkhörnern, nach ausgelassener Stimmung, nach Pogo, nach Party.
Aber Gwydion geben sich damit nicht zufrieden. Nun mehr wachgerüttelt legen die Herrschaften aus Europas Süd-Westen mit „Triskelion Horde is Nigh“ nach. Fetter Gitarrensound, mittelalterliche Klänge und professioneller (rauher) Klargesang vereinen alle guten Seiten Gwydions, bevor mit „Odhinn’s Cult“ erst einmal kräftig auf die Bremse getreten wird, um sich ganz schnell wieder auf Betriebstemperatur zu steigern.
Dann der Break: „At the Sumbel“. Wer Gwydion bislang mit party-tauglichen und met-schäumenden Humpa-Metal in Verbindung gebracht hat, der wird nun eines Besseren belehrt. Gwydion können auch ganz anders. Zum niederknien schön ist dieses (leider viel zu) kurze instrumentale, (irisch-) keltische Intermezzo, von dem man sich mehr gewünscht hätte. Es wäre in dem oft durchschnittlichen Feld des Pagan-Metal ein wunderbares Beispiel für Eigenständigkeit, Individualität und Gefühl. Aber die Nordmänner aus dem Süden drängt es zurück zu stampfenden Klängen. So folgt mit „Cold Tempered“ ein weiteres mächtiges Stück – freilich ohne den zauberhaften Charme der irischen Weise zuvor.

„The Terror Of The Northern“ flacht zuletzt leider wieder etwas ab. Die weiblichen Chöre sind sicherlich qualitativ nicht zu beanstanden, vielleicht sogar „innovativ“, aber hinterlassen bei dem einen oder anderen Metaller ein mehr oder weniger großes Fragezeichen. Weniger Pathos wäre mehr gewesen. Und auch der Abschlusstitel kann an die starken Passagen dieses Albums nicht mehr ganz anknüpfen, schließt den Silberling aber immerhin noch würdig ab.

Unterm Strich verbleibt letztlich ein ordentliches, im Mittelteil richtig starkes Album. Abwechslungsreichtum ist zweifellos seine Stärke. Von monumentalem Viking-Metal über schäumende Party-Klänge bis hin zu einfühlsamen Passagen ist alles geboten. Stellenweise vielleicht etwas zu monumental und bombastisch, bieten Gwydion qualitativ untadeligen, unkomplizierten Folk-Metal zum Abfeiern. Wenn sie auch noch einen eigenständigen Klang aufs Parkett legen werden, könnte dies der Beginn einer richtigen Leidenschaft werden!

Hörbeispiele zu Gwydion finden Sie unter folgendem Link: http://www.myspace.com/gwydionmetal

geschrieben am 30.3.2010 von karsten@folkmetal.at

Im Forum diskutieren: Folk Metal Forum

Bewertung: Punkte (Innovation): 8 von 15
Punkte (Gesamt): 11 von 15
Informationen: Gwydion
Trollzorn

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